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Ein klassisches Eigentor!

Gedanken zum 19. Sonntag nach Trinitatis 2014

Pfr. Thomas Seifert

Thomas Seifert
Pfarrer der kath. Kirchengemeinde Heilig Geist, Grebenstein

Aus aktuellem Anlass, der politisch-religiös motivierten Gewalt eines so genannten "Islamischen Staates (IS)", hört man immer häufiger die Forderung nach einer weltumspannenden Einheitsreligion, die sich auf einen kleinsten gemeinsamen Glaubensinhalt verständigt und somit religiöse Konflikte vermeiden würde. Nach dem Motto: "Alle Menschen müssen sich auf das Wesentliche im Gottesglauben beschränken!"

Gemeint ist wohl der Glaube an eine irgendwie geartete göttliche Kraft, die Ursprung und Ziel des Kosmos und jedes Menschen ist.

Dieser Friedensappell ist jedoch ein klassisches Eigentor; die Grundidee ist einfach und faszinierend, aber leider verletzen die "kleinen" Wörter in dieser Forderung den Respekt und die Toleranz.

Denn mit den Wörtern "alle" und "müssen" ist ein totalitärer Anspruch erhoben, der nicht zu mehr Frieden führen wird, sondern zu noch mehr Konflikt, denn die Einheitsreligion macht nur Sinn, wenn wirklich alle mitmachen, somit liegt die Intoleranz schon im Anspruch.

"Alle müssen!" Und wie schnell wird aus diesem Friedensanspruch ein: "Notfalls gezwungener Maßen" zum angeblichen Heil aller und des Weltfriedens insgesamt.

Eine solche Welteinheitsreligion wäre wiederum nur ein neuer totalitärer Ansatz, wie wir ihn bereits aus dem 20. Jahrhundert durch Kommunismus, Nationalsozialismus und Demokratismus mit ihren in die zig Millionen gehenden Opfern schon zur Genüge kennen.

Religiöser Frieden liegt idealer Weise in der menschlich unerreichbaren Einheit der Wahrheit, diese Einheit aber ist nicht machbar und so bleibt nur der Respekt vor der religiösen Freiheit des anderen.

So wie jeder für sich in Anspruch nimmt, nach bestem Wissen und Gewissen seinen Gottesglauben zu leben, so muss diese Freiheit auch jedem anderen eingeräumt werden, auch dann, wenn es etwas "kostet". Das nennt man Toleranz.

Jeder religiöse Glaube beansprucht, der Richtige zu sein, das ist aber kein Grund für Konflikte, sondern nur Anlass für interessante, offene und ehrliche Diskussionen und einen "Wettkampf" um eine moralisch höherwertige Lebensführung.

Nicht der Kräftigste und Gewaltbereiteste siegt in diesem Wettkampf, sondern derjenige, dessen geistiges Leben sich in einem Mehr an Gottesliebe und Nächstenliebe erweist.

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