Zufallsbilder - Landschaften im Kirchenkreis Hofgeismar

 

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Eklat beim Festessen

Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti 2014

Pfarrer Hans Martin Wirth

Hans Martin Wirth, Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar und Wolfhagen

Es muss bei einer dieser Gelegenheiten gewesen sein. Ähnlich wie am zurückliegenden Gründonnerstag in der Neustädter Kirche beim Feiern des Abendmahls an langen Tischreihen.

So ähnlich kamen die ersten Christen in Jerusalem zusammen. Sie trafen sich reihum am ersten Tag der Woche in ihren Häusern. Vornehmlich in denen der wohlhabenden Anhängern, weil diese größere Wohnräume hatten. So konnten sich viele an den niedrigen Tischreihen niederlassen.

Im Schneidersitz oder seitlich auf ein Kissen gestützt hörten sie zunächst zum feierlichen Gedächtnis des letzten Mahles mit Jesus die Worte, mit denen er die zerteilten Brotfladen und den gefüllten Weinbecher beim Sedermahl an den Kreis der Jünger und Jüngerinnen herumgegeben hatte.

Ebenso gaben sie nun Brot und Becher von einer Hand zur anderen, - vielleicht mit dem Zuspruch "er ist wahrhaftig auferstanden!". Anschließend verteilten sie die mitgebrachten Lebensmittel zum gemeinsamen Essen auf die Tische und aßen und feierten miteinander. Hin und wieder unterbrochen von einer kurzen Erinnerung aus dem engsten Jüngerkreis an die gemeinsame Zeit mit Jesus.

Andere standen auf und erinnerten eindringlich an das, was er sie über Gott und die Menschen gelehrt hatte, - dass sie einander lieben sollten, wie er sie geliebt hatte und wie Gott sie liebt, - dass das ersehnte Reich Gottes unter ihnen schon wirklich sei und dass unter ihnen Gerechtigkeit und Frieden wohnen sollten. So hatten sie nun schon oft die Gemeinschaft mit einander zur Freude aller gefeiert.

Doch nicht zur Freude wirklich aller. Einige begannen zu murren. Es kam zu einem Eklat. So konnte es einfach nicht weitergehen. An den "oberen" Tischen in der Nähe der Apostel brachen die Tische fast von der Menge der mitgebrachten Speisen. Dort saßen die einflussreicheren Zeitgenossen.

Am "unteren" Ende der Tische saßen die ärmeren griechisch sprechenden Witwen. Ohne eigenes Einkommen waren sie darauf angewiesen, dass sie von anderen versorgt wurden. Hier bekamen sie nur die Reste ab.

Das vertrug sich nun überhaupt nicht mit den frommen Reden, die am anderen Ende der Tische gehalten wurden. Aber, es wurde Abhilfe geschaffen. "Diakone" wurden eingesetzt, "Beauftragte", die dafür Sorge zu tragen hatten, dass alle bei Tisch zu ihrem Recht kamen und satt nach Hause gehen konnten.

Die frühen christlichen Gemeinschaften hatten schnell begriffen, dass Verkündigung und gemeinschaftliches Leben zusammenpassen müssen und richteten zwei Beauftragungen ein, eine zur Verkündigung, die andere zur Diakonie. Aber so ist das: Reden und Handeln müssen zueinander passen.

Zum Glück gab es am letzten Gründonnerstag in der Neustädter Kirche beim Abendmahl keinen Grund für einen Eklat.

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