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Weihnachtsrituale

Gedanken zum 4. Advent 2014

Nicola Uphoff-Watschong

Nicola Uphoff-Watschong
Lektorin im Ev. Gesamtverband Oberweser

"Jede Figur hat ihren festen Platz", erzählte mir eine Freundin, während sie die Kisten und Schachteln mit Weihnachtsschmuck inspizierte.

"Hier, der größte Strohstern muss auf die Weihnachtsbaumspitze. Und der Engel mit dem losen Flügel gehört unbedingt über die Krippe. An dieses Fenster kommt der Transparentstern, den meine Kinder damals gebastelt haben. Den hüte ich wie meinen Augapfel."

"Alles soll genauso sein wie jedes Jahr", ist der Tenor in vielen Familien. In einer Welt, in der sich vieles viel zu schnell ändert, in der man sich manchmal gar nicht mehr auskennt, brauchen wir diese vertrauten Rituale. Sie sind die Nischen im Getriebe des Lebens, in denen wir uns geborgen fühlen.

Aber an einem Punkt reiben sich unser verständliches Bedürfnis nach wiederkehrenden Bräuchen und die tiefere Botschaft der Christgeburt. Denn ausgerechnet unser traditionsreichstes Fest erzählt, dass mit Christus etwas ganz Neues in die Welt gekommen ist. Mit ihm hat sich die Welt vieler Menschen bis heute tiefgreifend verändert.

In den biblischen Geschichten, vor allem auch im neuen Testament, wird von Menschen berichtet, die alles, was ihnen lieb und teuer war, hinter sich gelassen haben, um Jesus auf seinem Lebensweg nachzufolgen.

Müssten wir also im Grunde Weihnachten jedes Jahr neu erfinden?

Das vielleicht nicht, aber es schadet auch nicht, Gewohnheiten zu überprüfen, ob sie noch zu uns und unserer Lebenssituation passen. Manchmal muss man ohnehin Veränderungen verkraften: Ein geliebter Mensch fehlt vielleicht in diesem Jahr, ein Platz beim Festmahl bleibt unbesetzt.

Vielleicht ist ein Kind geboren und erfordert ein Umdenken. Oder statt der ersehnten Harmonie endet das Fest in einem Streit, statt dem "trauten Heim" erlebt mancher "Unglück allein".

Familien und Lebensbedingungen verändern sich, auch wenn wir gerne festhalten würden, was für uns unabdingbar zu einem "richtigen" Weihnachtsfest dazu gehört. Vertrautes loszulassen gehört nicht zu unserer Kernkompetenz.

In der Offenbarung am Ende der Bibel sagt Gott: "Siehe, ich mache alles neu! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende." Aber zwischen A und O haben wir viel Raum, unser Leben und unser Weihnachtsfest zu gestalten. So wie immer - oder ganz neu.

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