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Von Namen und Gräbern

Gedanken zum Volkstrauertag 2012

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs (Hofgeismar)
ist Referent für Schule und Unterricht im Landeskirchenamt Kassel

Er war sich so sicher gewesen, hatte alles, was es an verstreuten Hinweisen gab, dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Verfügung gestellt. Sogar einen Augenzeugenbericht von dem, was nach der Schneeschmelze im Frühjahr 1945 im fernen Masuren passiert war.

Und trotzdem war die Grabsuche erfolglos geblieben. Der Platz am Straßenrand, wo seine Angehörigen nach ihrem gewaltsamen Tod von barmherzigen Nachbarn begraben worden waren - er war einfach nicht mehr zu finden.

"... und ihre Stätte kennt sie nicht mehr..." (Psalm 103, 16).

Die Worte aus der Bibel kamen ihm hart und ungerecht vor. Vielleicht weil er Menschen kannte, die lebenslang darunter litten, nicht zu wissen, was aus ihren Angehörigen im Krieg geworden war. Hinter deren Name auf den Gedenktafeln für die Kriegstoten weder ein Todesdatum noch eine Ortsangabe standen, sondern lediglich das Wort "vermisst". Und die kein Grab hatten, an dem sie betrauert werden konnten. Wie soll man so seinen inneren Frieden wiederfinden?

Die israelische Regierung fiel ihm ein, die bereit ist, sogar hunderte von palästinensischen Gefangenen nur gegen die sterblichen Überreste weniger gefallener Israelis auszutauschen. Damit sie in Würde bestattet werden können und ihre Familien wissen, wo sie ihre letzte Ruhe gefunden haben.

So, wie die Angehörigen der über 8000 Opfer des Massakers von 1995 im bosnischen Srebrenica. Bis heute kämpfen sie dafür, dass viel Mühe und Geld investiert wird, um ihre ermordeten Söhne, Brüder oder Ehemänner in den Massengräbern nament-lich zu identifizieren. Mehr als 6000 haben bereits ein eigenes Grab mit ihrem Namen erhalten.

"Einen ewigen Namen will ich ihnen geben", heißt es in der Bibel (Jes 56, 5), "der nicht vergehen soll". Wie tröstlich dachte er, dass unser Name und damit das, was uns als Person ausgemacht hat, bei Gott seinen Ort hat. Für immer und ewig. Egal, ob unsere letzte Ruhestätte auf Erden bekannt ist oder ob sich noch jemand an uns erinnert.

Aber wie gut, wenn wir trotzdem das Unsere dafür tun, Orte zu schaffen oder zu erhalten, an denen Menschen trauern und dann auch wieder den Weg zurück ins Leben finden können.

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