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Gedanken zum Sonntag 19. Sonntag nach Trinitatis 2012

Pfarrer Karl Christian Kerkmann

Karl Christian Kerkmann
Pfarrer und Seelsorger im Evangelischen Krankenhaus am Krähenberg und in der Evangelischen Altenhilfe

Ich fragte eine Patientin in unserem Krankenhaus nach ihrem Befinden. Sie sagte:

"Ich habe keine Kraft in den Beinen. Und das da, das ist das böse Knie, das will nicht! Und das hier ist das gute Knie."

Ich sagte: "Sagen Sie doch auch zu dem "bösen" Knie: Du bist gut! Du hast mich viel und lange getragen. Ich danke dir. Nun aber bist du krank. Und schicken Sie ihm oft liebevolle, dankbare Gedanken, und geben Sie ihm wertschätzende, zärtliche Berührungen. Das Knie wird es spüren. Und natürlich dürfen Sie Ihrem ganzen Körper immer wieder danken für seinen treuen Dienst für Sie. Wenn Sie wollen, sogar jedem einzelnen Körperteil."

Wenn ich etwas liebevoll annehme, kann ich anders damit umgehen, dann kann ich es von einer anderen Seite her sehen, als ich es sonst gewohnt bin.

Das Übliche ist das Klagen und das Unzufriedensein. Aber das, was ich ablehne, wogegen ich mich sperre, das verstärke ich nur. Da geht sozusagen meine negative Energie hin, die meine Kräfte bindet. Und wenn ich genauer hinspüre, merke ich, wie viel Kraft ich brauche, um etwas abzuwehren, zu unterdrücken. Es nimmt mich sozusagen "in Beschlag", es gewinnt Macht über mich.

Ich selbst sage mir immer wieder: Alles, was da ist, darf erst mal da sein. Und dann kann ich schauen, wie ich damit umgehe. Und das gilt auch, wenn es um äußere Veränderung im Leben geht.

Eine andere Patientin sagte mir: "Herr Pfarrer, ich habe große Angst, wenn ich jetzt ins Altenheim muss." Sie war durch die Therapie wieder "auf die Beine gekommen". Aber das Leben zu Hause war nicht mehr möglich, allein schon wegen der vorhandenen Treppen.

Ich sagte zu ihr: "Ich verstehe Sie sie sehr gut. Ich habe es selbst erlebt bei meiner Mutter damals. Erst war auch für sie der Einzug ins Altenheim gar nicht vorstellbar. Dann aber hatte sie sich gut eingelebt, war sehr zufrieden, und es war wirklich ihr neues Zuhause geworden."

Beim nächsten Besuch sagte mir die Patientin: "Eine Pflegerin aus dem Haus in der Altenhilfe war bei mir und hat mir vieles erklärt. Das hat mir geholfen."

Bei ihrem Einzug ins Heim sind ihr dann noch Bekannte begegnet - neben den eigenen Angehörigen, denen es auch nicht leicht fiel. Aber sie sorgten mit für ihren Umzug und Einzug und besuchen sie dort. So kann das Wohnen im Heim tatsächlich zum Zuhause werden.

Oft habe ich das so positiv erlebt. Und auch da ist es eben gut, anzunehmen, was ansteht und sich darauf einzulassen. Und in allem darf ich mich begleitet und gestärkt wissen - von Gott und von Menschen. Ich kann es hinein nehmen in die Worte das Wochenspruches: "Heile du mich, Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen." (Jeremia 17,14).

Mit dieser Einstellung dürfen wir getrost erwarten, was kommen mag, und darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist "am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag."

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