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Glauben Gestalt geben

Gedanken zum Sonntag 16. Sonntag nach Trinitatis 2012

Dekan i.R. Jochen Desel

Jochen Desel
Dekan i.R. im Kirchenkreis Hofgeismar

Zum Waldensertag in Hofgeismar

Zwanzig Jahre nach dem ersten Waldensertag in Hofgeismar veranstaltet die Deutsche Waldenservereinigung am 22./23. September 2012 wieder ein Treffen in Hofgeismar. Es steht unter dem Motto "Glauben Gestalt geben."

Alle deutschen Waldensergemeinden und alle Freunde der Waldenser sind dazu eingeladen.

Die Waldenser sehen in dem reichen Lyoner Kaufmann Waldes/Waldus ihren Ursprung, dem später der Vorname Petrus beigefügt wurde. Er erlebte um 1170 eine Bekehrung zum konsequenten Christentum im Sinne des Evangeliums. Petrus Waldus führte hinfort wie die Apostel der ersten Christenheit ein Leben in Armut.

Durch das regelmäßige Lesen der Bibel fühlte er sich berufen, die Kirche von innen zu erneuern. Er sammelte gleichgesinnte Männer und Frauen, die mit ihm umherzogen und auf öffentlichen Plätzen in der Volkssprache predigten. Sie lehnten Heiligenverehrung, den Ablass, den Eid, den Kriegsdienst und die Todesstrafe ab.

1188 traf die Waldenser der päpstliche Bann, weil sie die kirchliche Hierarchie nicht anerkannten. Sie gingen in den Untergrund. Sie tarnten sich als Hausierer und zogen zu zweien durch Frankreich und Deutschland und breiteten sich bis zum Baltikum aus.

Als Ketzer verfolgt, wurden sie im 15. Jahrhundert in die schwer zugänglichen Täler der Kottischen Alpen, in das Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien, zurückgedrängt.

1532 schlossen sich die Waldenser der Genfer Reformation Calvins an und wurden Hugenotten. Wie die Hugenotten aus Frankreich erfuhren sie im Herzogtum Savoyen Verfolgungen und schließlich die 1698 die endgültige Vertreibung aus den heimatlichen Alpendörfern.

Viele von ihnen kamen über die Schweiz nach Württemberg, nach Preußen und nach Hessen. In allen Hugenottenorten im Landkreis Kassel finden sich neben den Nachkommen der Hugenotten aus Frankreich auch Abkömmlinge der waldensischen Bergbauern, Handwerker und Handelsleute.

Acht Jahre vor seinem Tod im Jahr 1722 siedelte Landgraf Carl von Hessen-Kassel 24 Waldenserfamilien an der Weser an. Der Fürst gab den beiden neugegründeten Orten die beziehungsreichen Namen Gewissenruh und Gottstreu.

Heute haben Waldensernachkommen in den hessischen Dörfern vielfältige Kontakte zu den Gemeinden der Ursprungsheimat aufgenommen, die durch Besuche hin und her gepflegt werden. So tragen sie in einer sehr konkreten und wirksamen Weise zur Völkerverständigung in Europa bei.

Das Waldensermuseum in Gottstreu ist ein Bindeglied der weltweiten Waldenserfamilie. Es findet zahlreiche Besucher und zeigt in eindrucksvollen Schaustücken und Bildern den weiten Weg von Petrus Waldus bis zur Gegenwart.

Freilich soll die Besinnung auf die Geschichte der Waldenser nicht nur eine historische Erinnerung bleiben. Die in Glauben und Liebestätigkeit lebendigen Waldensergemeinden in Italien und in Südamerika in Colonia Valdese an der Mündung des Rio de la Plata können Vorbild sein, wie der Glaube auch in unseren Gemeinden unser Leben reformieren und gestalten kann.

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