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Glaubensverachtung - Nein, Danke!

Gedanken zum Sonntag 10. Sonntag nach Trinitatis 2012

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs (Hofgeismar)
ist Referent für Schule und Unterricht im Landeskirchenamt Kassel

Zum Streit über die Beschneidung

UNICEF kann sich freuen. Überall in Deutschland wird derzeit heftig für das Wohl und die Unversehrtheit unseres Nachwuchses gestritten.

Eigentlich eine gute Nachricht. Wäre nicht der Grund dieser Aufregung so lächerlich. Denn es sind weder häusliche Verwahrlosung noch mangelnde Bildungsgerechtigkeit, die die ansonsten schweigende Mehrheit fast schon fanatisch werden lässt.

Ein Hautzipfel ist es, der die Gemüter erregt, genauer: die männliche Vorhaut und das, was Juden und Muslime seit Jahrtausenden mit ihr zu tun pflegen. In beiden Religionen ist es üblich, die männlichen Nachkommen schon als Kinder beschneiden zu lassen. Als sichtbares Zeichen dafür, dass Juden und Muslime ihre Kinder mit hineinnehmen in die Religion ihrer Mütter und Väter. Weil sie zu Recht davon überzeugt sind, dass sie ihren Kindern etwas Gutes tun, wenn sie sie nicht als religiöse Analphabeten groß werden lassen.

Zugegeben, es ist eine archaische Form, in der das bis heute geschieht, die für viele religionsferne Menschen fremd ist. Aber ist das, was wir nicht (mehr) verstehen, deshalb schon gleich falsch, schlecht oder - wie in diesem Fall - "gegen das Wohl des Kindes"?

Dass es unter beschnittenen Jungen mehr Traumatisierte gibt als unter unbeschnittenen, wird doch im Ernst keiner behaupten wollen. Wohl aber, dass Menschen, die von Kindesbeinen an in einer religiösen Tradition groß werden, sich manchmal leichter im Leben beheimaten und gar nicht so selten hoffnungsvoller mit den Sinnlosigkeiten des Lebens umgehen können.

"Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes." (Lk 18, 16). Für die Bibel hat bereits jedes Kind ein Recht auf Religion. Damit es innere Maßstäbe und Überzeugungen ausbilden kann und ihm später nicht alles gleichgültig ist.

Deshalb taufen wir unsere Kinder, Jungen wie Mädchen, um sie unsere Religion "von innen" erleben zu lassen. Dient das etwa auch nicht dem Kindeswohl?

Rückgängig zu machen ist die Taufe jedenfalls ebenso wenig wie die Beschneidung. Sie ist unverlierbar, Gott sei's gedankt, und zwar im Interesse der Kinder - selbst wenn's die Glaubensverächter jeder Couleur ärgert!

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