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Freiheit ist ein kostbares Gut...

Gedanken zum Sonntag 9. Sonntag nach Trinitatis 2012

Pfr. Thomas Seifert

Thomas Seifert
Pfarrer der kath. Kirchengemeinde Heilig Geist, Grebenstein

.... denn Freiheit bedeutet, seine Lebensvorstellungen realisieren zu können.

Freiheit, aber, so sagten es schon die alten Römer, hört dort auf, wo die Freiheit des anderen beginnt. So kann man sich nicht einfach das Land eines anderen aneignen oder sich nach Belieben einen Mann oder eine Frau aussuchen ohne deren Einwilligung zu einer Beziehung.

Freiheit ist also immer eine Frage der Grenze und deshalb gibt es immer wieder Grenzstreitigkeiten zwischen Menschen, denn jeder möchte seinen Lebensentfaltungsraum maximieren, um möglichst alle seine Wünsche und Träume zu verwirklichen.

Man hat das auch einmal in einer ähnlichen Überlegung den "Kampf aller gegen alle genannt". Konkurrenzverhalten, auch Mobbing genannt, ist also etwas ganz normales zwischen Menschen, selbst die ein oder andere Form von Liebe kann besitzergreifend und damit freiheitseinschränkend sein.

In einer modernen Demokratie verzichtet ein Bürger freiwillig auf gewisse Freiheiten, so zum Beispiel auf den eigenen Anspruch, sich Gerechtigkeit zu verschaffen bzw. sich für ein Unrecht zu rächen; dafür gibt es das moderne Gewaltmonopol des Staates und dessen Gerichtsbarkeit.

Aber auch in vielen anderen Bereichen verzichtet der Bürger auf Freiheit, letztlich wird die bürgerliche Freiheit durch jedes Gesetz des "Rechtsstaates" eingeschränkt.

Je mehr Gesetze also, umso weniger Freiheit und genauso gilt, umso undurchsichtiger und verstrickter der Gesetzesdschungel, umso mehr erhöht sich die Gefahr der Gesetzeswillkür. Außerdem gilt überall dort, wo wir den Staat einfordern etwas zu regeln, dort verliert der Bürger Freiräume.

So steht es auch um die Sicherheitsfrage, um so mehr wir vom Staat Sicherheit fordern, umso mehr wird dieser unsere Freiräume kontrollieren. Tatsächlich sind bürgerliche Freiheit und Sicherheitsstreben entgegengesetzt proportional.

Der Ruf nach einem starken Staat also, und dessen sollte man sich bewusst sein, bedeutet immer auch Aufgabe eigener Freiräume, die dann staatlich geregelt werden: Bebauungsplan, Sittengesetz, soziale Umlagen, Arbeitslosenversicherung, Rente, usw...

Und dennoch gibt es eine Ausnahme, eine Ausnahme, die zuerst einmal wie ein Paradox anmutet; es ist die biblische Forderung nach Nächstenliebe, so verstanden, dass man sich zum Diener des anderen macht. Ein Diener aber - oder sollte man Sklave sagen - hat eine eingeschränkte Freiheit gegenüber dem "Herrn".

Liebe, die sich verschenkt, sich in den Dienst am Nächsten stellt, erhebt also den Entfaltungsraum des Nächsten über die eigenen Interessen und Freiheiten, deshalb macht diese Art der sich verschenkenden Liebe unfrei, sie verschenkt persönliche Freiheit an einen anderen.

Allerdings, wenn dieser andere die Liebe erwidert, dann verschmelzen in gewissem Sinne die Freiräume zu einem gemeinsamen und damit doppelt so großem Freiraum. Da wo man die Zudringlichkeit eines Fremden, als einen Angriff auf die Privatsphäre erlebt, dort kann diese Nähe erwünscht, ja ersehnt sein, wenn es sich um einen geliebten Mitmenschen handelt. So heben sich Grenzen auf, weil man sich gegenseitig Freiräume schenkt.

Ganz deutlich wird das, wenn zwei Menschen heiraten, denn dort schenken sie ganz bewusst dem anderen viele Freiräume, weil der damit erreichten Gemeinsamkeit ein noch viel größerer Reichtum inne wohnt.

Das Gebot der Nächstenliebe also hebt den Grenzkampf in weiten Teilen auf und erbringt einen Synergieeffekt, auf beiden Seiten wird der Lebensraum größer, obwohl man ihn eigentlich verschenkt hat.

Genau das gilt auch vom christlichen Gottesbild, der Dreipersonale Gott ist die Liebe selbst, das heißt, jede göttliche Person verschenkt die eine göttliche Natur jeweils dem anderen und erfährt somit die größte mögliche Einheit, die allerdings nicht vereinnahmend wirkt, sondern dem anderen immer größte mögliche Persönlichkeitsentfaltung gewährt.

Wenn wir uns als Gesellschaft dieses Liebesideal vermehrt zu Eigen machen könnten, würden letztlich alle an Freiheit gewinnen.

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