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Gedanken zum 2. Sonntag nach Trinitatis 2012

Pfr. Michael Dorhs

Pfarrer Dr. Michael Dorhs (Hofgeismar)
ist Referent für Schule und Unterricht im Landeskirchenamt Kassel

Über den Glauben an den eigenen Wert

Das ungläubige Erstaunen stand der Schülerin ins Gesicht geschrieben: "Ich, gewollt und wertvoll? Nein, ganz bestimmt nicht!" So hatte sie sich offenbar noch nie wahrgenommen - vielleicht weil es ihr so auch noch niemand gesagt hatte.

Im Unterricht ging es um ein heißes Eisen: "So, wie ich bin - so, wie ich sein möchte". Vermutlich würden wir alle Gründe finden, warum diese beiden Fragen auch im Blick auf uns nicht identisch sind.

Mag sein, dass für uns die Frage, ob der Po zu dick, der Busen zu klein oder der Körper insgesamt muskelbepackt genug ist, zumindest ein bisschen in den Hintergrund getreten ist.

Für 16-Jährige stellen sich diese Fragen jedenfalls anders als für 36- oder 56-Jährige. Aber ob wir Erwachsenen deshalb eher bereit sind, uns so anzunehmen, wie wir sind?

Die Frage jedenfalls bleibt uns erhalten. Sie zeigt sich nur in anderem Gewand. Dort nämlich, wo es darum geht, ob wir uns trauen, erkennbar zu werden.

Verschweigen wir den Anderen unsere Träume vom gelingenden Leben oder erzählen wir ihnen davon? Muten wir ihnen unsere tiefsten Überzeugungen zu, worauf wir hoffen, was wir glauben - auch, wo es mit uns keine Kompromisse gibt?

Ich finde, das ist die Frage, die sich prinzipiell kaum von der meiner Schülerin unterscheidet: Ob wir uns trauen, uns zu zeigen, weil wir wissen, dass auf diese Weise etwas sichtbar wird von dem, was Gott selbst in uns (und nur in uns!) angelegt hat. Das ist das, wodurch wir unverwechselbar werden - eben unverwechselbar wir selbst.

Das heißt nicht, dass alles an oder in uns "schön" wäre. Wir wissen sehr gut, wo wir hinter uns zurückbleiben, wo wir schuldig werden, an uns oder anderen. Aber das ändert nichts daran, dass wir von Gott her "gut" gemeint sind. Und dass das sichtbar werden und einen persönlichen Ausdruck finden soll - selbst, wenn's nur fragmentarisch gelingt.

Manchmal geschieht das zielgerichtet und klar, zur Freude aller. Manchmal auch auf merkwürdig krummen Wegen, so dass es Befremden, ja sogar Ablehnung auslöst. Und trotzdem "stimmt" es!

Wichtig ist nur, dass es passiert! Und wir uns gegenseitig ermutigen, wenn wir wieder an uns zweifeln: "Ich gewollt und wertvoll? Ja, Du! Gerade Du!"

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