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Nur noch kurz die Welt retten...

Gedanken zum Sonntag Septuagesimae 2012

Pfarrer Lars Hillebold

Pfarrer Lars Hillebold
Gemeindepfarrer in Oedelsheim und Gieselwerder

"Schatz, könntest Du mal den Müll rausbringen?" "Gleich, Liebling, ich muss nur noch schnell ..." - ...mir eine Ausrede einfallen lassen.

Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir. Noch 148 Mails checken, wer weiß was mir dann noch passiert denn es passiert so viel. Muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei dir. Irgendwie bin ich spät dran, fang schon mal mit dem essen an. Ich stoß dann später dazu. Du fragst wieso weshalb warum, ich sag wer sowas fragt ist dumm. Denn du scheinst wohl nicht zu wissen was ich tu. Ne ganz besondere Mission lass mich dich mit Details verschonen. Genug gesagt, genug Information. (Tim Bendzko)

Den Müll rausbringen? Welche Ausrede wäre besser als diese: "Gleich, Liebling, ich muss nur noch schnell die Welt retten." Wenn der Globus platzt, dann haben wir den Müll. Aber keinen Ort mehr, wo wir ihn hinbringen können. Wer rettet die Welt?

Manchmal denke ich, es gibt einfach zu viel. Zu viel an Nachrichten. An Mails. An SMS. An Internetseiten. An Fernsehkanälen. Manchmal denke ich, wie stark muss ein Mensch heute sein, um die Fülle dessen, was er alles wissen kann, zu verarbeiten.

Es braucht viele Entscheidungen. Zu viele? Meine Angst ist, dass wir irgendwann vor so vielen Entscheidungen stehen, dass wir nicht mehr Ja oder Nein sagen, sondern gar nichts mehr. Schweigen. Meine Angst ist, dass wir wie gelähmt werden, nach dem Motto: Es ist mir alles zu viel. Darum sag ich weder ja noch nein, sondern nichts.

Dabei könnte ja alles auch ganz anders sein und mit der Ironie des Liedtextes von Tim Bendzko noch ein wenig weiterdenken, die Dinge mal umdrehen und anders sehen: "Schatz, könntest Du mal die Welt retten?" "Gleich, Liebling, ich muss nur noch schnell den Müll rausbringen!"

Also das tun, was nahe liegt. Das tun, was ich kann. Das tun, was uns Menschen gegeben ist, was uns möglich ist. Die Welt retten: werden wir nicht.

Wir können das Klima verbessern. Wir können verantwortlicher mit Geld umgehen. Wir können für Demokratie kämpfen und gegen Ungerechtigkeit. Wir können Ja und Nein sagen. Doch eines können wir nicht: wir können die Welt nicht retten. Denn wir sind Menschen und werden immer wieder Unordnung und Ungerechtigkeit erzeugen.

Die Welt retten? So unmöglich dies ist, so unnötig ist es. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Am Ende sieht Rettung so aus: "Ich hab den Müll rausgebracht, Schatz. Soll ich noch die Welt retten?" "Bleib, Liebling, bleib. Welt retten ist nicht nötig. Das macht einer für Dich und für uns und hat es schon längst getan."

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