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Weniger ist manchmal Mehr

Gedanken zum Sonntag Estomihi 2012

Vikar Jonathan Bergau

Jonathan Bergau
Vikar in Lippoldsberg

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei.", so heißt es im Karnevalslied von Jupp Schmitz. Nach unseren großen und kleinen Weihnachtsfeierlichkeiten in der Kirche und zu Hause und nach mancher Faschingsfeierlichkeit beginnt in der Kirche mit dem kommenden Aschermittwoch eine neue Kirchenjahreszeit, die Passions- bzw. Fastenzeit. Aber was ist denn am Aschermittwoch vorbei?

Fasten steht in langer christlicher Tradition. Seit dem 4. Jahrhundert wird überliefert, dass man in den Wochen vor Ostern auf Lebensmittel verzichtet hat, um sich an die Passion Christi, an das Leiden und Sterben Jesu Christi bewusst zu erinnern. Man gedachte an Jesus, der, wie in der Bibel berichtet, selbst einmal 40 Tage in der Wüste fastete.

Früher war die Passionszeit eine Zeit echten Verzichts. Es waren Fleisch- und Milchprodukte, Eier und Wein untersagt. Erst seit dem späten Mittelalter waren Milchprodukte erlaubt.

Problematisch war aber, dass die Kirche alle Christen zum Fasten verpflichtete. Dieser Zwang zum Fasten ließ über die Jahrhunderte die Plausibilität des Fastens schwinden. Als die Kirche in der Neuzeit ihren bestimmenden Einfluss auf das Leben der Christen verlor, lösten diese sich auch meist von den überkommenen Bestimmungen. Heute sind auch nach dem Aschermittwoch unsere Supermärkte genauso voll, wie alle Tage.

Hat uns die Fastenzeit heute noch etwas zu sagen, wenn nun doch nicht alles vorbei ist und wenn es immer alles gibt?

Vielleicht hilft es, noch einmal auf die Anfänge zu schauen. So hat man am Anfang gefastet, um den Kopf für anderes frei zu bekommen. Man wollte unabgelenkt über Jesu Sterben nachdenken.

Dass es dem Nachdenken dienlich ist, eine bestimmte Zeit auf etwas zu verzichten, entdeckt die eine oder der andere in diversen Wellnessangeboten. So kann man beispielsweise durch Heilfasten seine Körperlichkeit neu wahrnehmen.

Mit der Fastenzeit bietet uns das Kirchenjahr Raum, wieder zu uns zu kommen. Sich wieder einmal Zeit zum Nachdenken über sich, die Welt und Gott nehmen zu können, möchte ein Angebot sein. Um sich dafür öffnen zu können, braucht es vielleicht für die eine oder den anderen bewussten Verzicht. Doch dieser soll nicht erzwungen sein.

In der evangelischen Kirche gibt es seit den 1980er Jahren die Fastenaktion mit Namen "Sieben Wochen ohne…". Bewusst verzichten hier Christinnen und Christen auf etwas, was sonst zu ihrem Leben gehört, um über das Leiden und Sterben Jesu nachzudenken, wo dieses Leiden und Sterben etwas mit ihrem Leben zu tun hat. An dieser Aktion kann man sich freiwillig beteiligen.

Dieses Jahr steht sie unter dem Titel "Gut genug! Sieben Wochen ohne falschen Ehrgeiz". Es soll darüber nachgedacht werden, wo wir Menschen uns durch unseren Ehrgeiz, alles besser und perfekter machen zu wollen, selbst im Wege stehen.

Dabei kann uns die Leidensgeschichte Jesu helfen. Schauen wir auf seinen Weg ans Kreuz, ging es ihm nicht darum, eine gute Figur zu machen. Er litt und setzte sich in seinem Leiden sogar noch für andere ein.

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei" in diesen Liedvers möchte ich nicht einstimmen. Sicher ist die Festzeit vorbei. Doch zum Leben gehört immer beides: Die lauten Zeiten des Überflusses und die leisen Zeiten des bewussten Verzichtens. Lassen sie sich einladen, beides mit allen Sinnen zu genießen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Passions- und vielleicht auch Fastenzeit.

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