Machen Sie sich frei
Gedanken zum Sonntag Jubilate 2009
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Wolfgang Heinicke
Dekan im Kirchenkreis Hofgeismar
Zum Thema "Vergeben"
In der Kunst, andere zu verletzen, sind Menschen sehr erfinderisch. Wir kennen genau die Stellen, an denen die Ehefrau, der Nachbar oder das erwachsen werdende Kind zu packen ist. Es gelingt uns zielsicher, uns gegenseitig bis ins Mark zu treffen.
Merkwürdigerweise geschieht es oft mit den nächsten Angehörigen und Freunden, manchmal auch in eigentlich gut funktionierenden Dorfgemeinschaften und Nachbarschaften. Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir da voneinander besonders viel erwarten und dann ab und zu auch uns gegenseitig besonders tief enttäuschen.
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Was tun Sie, wenn jemand Sie verletzt? Was tut Ihnen gut? Zuerst ein kräftiges und deutliches "Aua" im wörtlichen und übertragenen Sinn sicherlich.
Der andere soll wissen, was er da anrichtet.Vielleicht kommt es darüber ja schon zu einer Aussprache und zur Versöhnung. Aber dafür gibt es keine Garantie. Und dann?
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Manchmal begegnen mir Menschen, die die Wut und den Hass über die Kränkung kultivieren und pflegen. Und beide Gefühle werden eher größer als kleiner im Lauf der Zeit. "Der Groll gräbt ständig schwarze Löcher in meine Seele", hat es jemand beschrieben.
Manche warten vergeblich ihr Leben lang darauf, dass der andere um Vergebung bittet, damit sie vergeben können. Sehr verständlich, aber auch sehr schade.
Nicht-Vergeben bindet meine Kräfte, Vergeben setzt sie frei. Vergeben hilft; auch -vielleicht sogar zuerst- dem Gekränkten und Verletzten.
Seitdem ich das begriffen habe, sage und höre ich die Worte im Abendmahlsgottesdienst noch einmal neu: "Vergebt, wie euch vergeben ist, und nehmt einander an wie Christus uns angenommen hat zu Gottes Lob".
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