Gott in der Finanzkrise
Gedanken zum 22. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Pfarrer Lars Hillebold
Gemeindepfarrer in Oedelsheim und Gottstreu
Keiner soll sagen, er hätte es nicht gewusst. "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Keiner soll sagen, er hätte es nie gehört. "Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt."
Christliches Leben könnte bekömmlicher und schmackhafter sein, gäbe es nicht solche scharfen Sätze. Leben kommt in die Krise, wenn es zwei Herren dient.
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Krise wird definiert als eine mit einem Wendepunkt versehene Entscheidung. Die Krisis in der Medizin bezeichnet eine plötzliche Veränderung des Gesundheitszustandes, die ohne vorhergehende Erkrankungen beispielsweise als Schock auftreten kann.
Wir sind entschieden in einer Krise. Die Finanzkrise markiert einen Wendepunkt. Sie hat den scheinbaren Gesundheitszustand des Kapitalismus plötzlich verändert. Die vorhergehenden Erkrankungen wurden nicht hinreichend behandelt. Der Schock sitzt tief.
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Dabei ist Geld nicht gut oder böse. Nicht das Geld hat die Macht. Wir gaben Mammon die Macht und wundern uns, dass wir zu Dienern wurden. Wir sind entschieden in einer Krise. In Krisen müssen Verhältnisse geklärt werden. Wir haben unsere Besitzverhältnisse zu klären, bei der Bank und bei Gott.
Die Klärung von Verhältnissen sind entschiedene Wendepunkte: Wir brauchen nicht immer mehr. Wir brauchen nicht alles hergeben, aber auch nicht alles behalten. Was brauchen wir zum Leben? Was können wir abgeben, damit andere leben können? Wir behalten und wir geben, das, was wir mit unserm Gewissen vor Gott vereinbaren können.
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Einer wird sagen, ich habe es verstanden: Ich kann nicht Gott dienen und dem Mammon. Ein weiterer wird sagen, ich glaube, es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als dass ein Reicher ins Reich Gottes kommt. Beiden bleibt der Geschmack göttlicher Worte auf der Zunge.
Gott ist in der Krise die Lebenskraft. In der Krise ist Gott selbst der Wendepunkt. Klärung geschieht mit Gott in der Krise. Habgier ist vergessen. Zukunftsangst wird gelindert. Christliches Leben dient keiner Gesellschaft, in der Reiche immer reicher und Arme immer ärmer werden. Das ist Lebenskunst im Kapitalismus. Gott dienen, nicht dem Mammon.
Wie schwierig ist das. Wie herrlich ist diese Freiheit.
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