Wohin gehst du?
Gedanken zum 18. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Anne Vilmar
Pfarrerin in Hofgeismar-Altstadt
Zwei alte Bekannte treffen sich auf der Straße. Sie kennen sich seit Kindertagen, haben zusammen die Schulbank gedrückt. Später sind sie ihre eigenen Wege gegangen, haben sich aus den Augen verloren. An diesem Morgen aber sind sie beide schon auf den Beinen. Es ist ein strahlend schöner Sonntagmorgen.
"Na, wohin bist du denn schon unterwegs?", will der Eine vom Anderen wissen. Sein Ziel ist nicht mehr weit, er ist schon fast da: am Kiosk um die Ecke.
Der Andere bleibt stehen, sie mustern sich. Die Gedanken kommen von ganz allein: wir waren mal jung, wie lang ist das her. Wir kannten einander ganz gut, auch das ist lang her. Wir sind verschiedene Wege gegangen. Wir haben verschiedene Ziele.
"Ich bin auf dem Weg in die Kirche". Die Antwort ist kurz, er weiß: Welten liegen zwischen uns. Der Spott des Schulkameraden von einst lässt dann auch nicht lang auf sich warten: "In die Kirche? Na, das muss ja spannend sein.".
Und beide gehen sie weiter, an diesem Sonntagmorgen, jeder für sich auf ihren Wegen, zu ihrem Ziel. Die Kirchen sind zum Erntedankfest geschmückt.
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Wohin gehst du?
Manchmal lässt sich die Frage gar nicht so leicht beantworten. Wohin geht sie, die Reise meines Lebens? Wohin bin ich unterwegs, ich: mit meinen Träumen und meiner Sehnsucht, mit meiner Liebe und Hoffnung, mit meinen Gaben und Grenzen?
Unterwegs kommt manches anders als geplant, das lehrt uns das Leben. Ziele, die man sich mal gesteckt hatte - man verliert sie aus den Augen. Oder scheitert. Große Pläne - sie wurden durchkreuzt. Auch Beziehungen zerbrechen und lieb gewonnene Menschen hat man verabschiedet.
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Wohin gehst du?
Was, wenn Jesus diese Frage stellte? Mitten am Tag, mitten im Sorgen und Mühen, im Suchen und Planen? Dann müsste man sich wohl erst einmal hinsetzen, Atem holen - und dann müsste man auch noch Zeit haben: zum Nachdenken, Erinnern, Prüfen.
Bei Jesus ist nicht die Frage nach einem kurzfristigen Ziel. Vielleicht ist es deswegen auch eher eine Sonntagsfrage. Es ist die Frage nach den wesentlichen Dingen in meinem Leben. Und darum eine, die Zeit braucht, Stille, Muße und Ehrlichkeit. Es ist eine Sonntagsfrage.
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