"Ich bin nichts mehr wert"
Gedanken zum 17. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Pfarrer Martin Rautenkranz
Gemeindepfarrer in Helmarshausen
Oma Herta sagte, als ich sie im Krankenhaus besuchte: Ach, Herr Pfarrer, ich bin nichts mehr wert!" Und sie meinte wohl damit, dass sie nicht mehr so viel leisten konnte wie früher. Damals hat sie noch gekocht für die ganze Großfamilie - heute bekommt sie Essen-auf-Rädern.
Nichts mehr wert? Nur weil sie nichts mehr leisten kann? Aber sie hat doch ihr ganzes Leben lang geleistet, hat Kinder großgezogen, hat wieder aufgebaut, was zerstört war, hat sich um Ältere gekümmert ... und nun soll sie nichts mehr wert sein?
Ich dachte immer, wenigstens das hätten wir genug gepredigt: Dass der Mensch nicht deswegen wertvoll ist, weil er arbeitet und leistet, sondern weil er von Gott geschaffen und geliebt ist - das ist seine unverbrüchliche Würde.
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"Rabbi Bunam sprach zu seinen Schülern: Ein jeder von euch muss zwei Taschen haben und einen kräftigen Spruch darin, damit er je nach Bedarf danach greifen kann. In der linken liegt das Wort: ‚Auch ich bin nur Erde und Asche.' Und in der rechten liegt das Wort: ‚Auch um meinetwillen hat Gott Himmel und Erde erschaffen.'"
Diesen Rat zu beherzigen wäre gar nicht so schlecht. Zwei kleine Karten in der Hosentasche zu tragen: Die Linke für den Moment, wenn wir überheblich werden, anmaßend und anderen gegenüber verachtend, wenn wir meinen, wir hätten alles im Griff. Sie will uns wieder auf den Boden zurückholen, wenn ich mich erinnere: "Auch ich bin nur Erde und Asche!"
Die Rechte aber für den Moment, wenn ich meine, nichts mehr wert zu sein, wenn mich Minderwertigkeitsgefühle runterziehen. Diese Karte will mich aufrichten und erinnern: "Auch um meinetwillen hat Gott Himmel und Erde erschaffen" - und das lasse ich mir nicht mehr ausreden.
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Deutlicher noch kommt das doch im Tod Jesu zum Ausdruck: "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, auf dass alle, die daran glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
Du, Mensch, bist Gott etwas wert. Du bist ihm das Leben seines Sohnes wert - gibt es eine größere Wert-schätzung?
Bei Gott gilt nicht die alte Konstrukteurs-Regel: "Wenn ein Teil nicht funktioniert, dann lass es weg. Dann geht das System wieder ..." Bei Gott gilt: "Ich habe dich je und je geliebt... (Jeremia 31,3)
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Wer sich das sagen lässt, wird dankbar für das Leben, ob voll im Saft oder beim alten Eisen. Wer sich das sagen lässt, setzt sich dafür ein, dass auch der alte, der gehandicapte oder der ungeborene Mensch nicht nach seiner Leistung oder seinen Kosten bewertet wird, sondern nach seiner Würde, die Gott, der Schöpfer und Erlöser ihm gibt.
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