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Nordhessen



Saitenwind

Gedanken zum 15. Sonntag nach Trinitatis 2008

Pfarrer Hans Martin Wirth

Hans Martin Wirth, Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar und Wolfhagen

Über den Monat der Diakonie

Ein Tag des Bieres, ein Tag der Milch, eine Woche der Völkerverständigung. Und nun noch ein Monat der Diakonie im September? Was ist denn am September so diakonisch?

Eigentlich nichts. Wenn da nicht das Gleichnis vom barmherzigen Cello wäre, das an einem Sonntag am Anfang des Monats oft im Mittelpunkt des Gottesdienstes steht. Sie kennen das Gleichnis nicht? Es geht so:

"Vorsicht, nicht berühren lassen!" - warnte damals ein Schild an der Landstraße, - "gefährliche Schwingungen". Hinter dem Schild lag ein stark demoliertes Cello im Straßengraben. Deutlich sah man den ange-knacksten Schalldeckel, eine abgerissene Saite.

Oh, dachte das erste vorbei kommende Cello, dann nichts wie weiter marschiert im Viervierteltakt.

Das zweite Cello, das vorbei kam, riskierte einen Blick auf das am Boden liegende Cello. Ihm war auch sofort klar, dass das kaputte Cello nie wieder ohne neue Saite schön klingen würde. Aber war es nicht selber Schuld, wenn das kaputte Cello nicht vorgesorgt hatte? Schon die Mutter hatte immer gesagt: Cello-Kind, gehe nie ohne Ersatzsaite aus dem Haus.

Eine Ersatzsaite sollte man immer dabei haben. Da kann ich nun auch nichts machen, murmelte das zweite Cello, ich brauche meine Ersatzsaite vielleicht einmal selber, - und setzte seinen Weg beschwingt fort.

Das dritte vorbei kommende Cello riskierte auch einen Blick und blieb ratlos bei dem kaputten Cello stehen. Nach einiger Zeit spürte es, wie seine eigenen Saiten im Wind ganz sachte anfingen zu schwingen. Aber das waren keine schönen Klänge, die da hervorkamen, sondern eher ein Krächzen, wirklich schaurig, gefährlich schaurig. Als ob bald eine Saite reißen würde.

Dem Cello wurde schnell klar, dass es dem Cello im Graben vermutlich so ähnlich ergehen muss, bei all dem, was es mitgemacht haben musste. Nach kurzem Überlegen hob es das Cello aus dem Graben, entspannte mit geübten Griffen die noch verbliebenen Saiten, damit sie nicht auch noch zerreißen konnten.

Auf einem kleinen Umweg brachte es das kaputte Cello zu einem Instrumentenmacher, um es reparieren zu lassen; seine eigene Ersatzsaite gab es schon einmal als Anzahlung dazu und versprach, wieder vorbei zukommen. Es freute sich schon auf die neuen Klänge.

Der Diakoniemonat ist der Monat für Saitenwind.

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