Englisch und "Engel-isch"
Gedanken zum 14. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Norbert Mecke
Pfarrer im Kirchspiel Holzhausen
Von himmlischen Boten und ihrer Botschaft
"Come in and find out!", lautete der Werbeslogan einer Parfümerie. Wahrscheinlich, weil Englisch eben modern ist.
"Komm rein und finde wieder raus!" übersetzte bei einer Befragung die Mehrzahl der Deutschen die Einladung einzutreten und herauszufinden, welche Düfte bei der Kosmetikkette in der Luft liegen.
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Englisch ist modern und international, aber manchmal auch missverständlich. Genauso ist es beim "Engel-isch". Engel liegen und fliegen wieder hoch im Kurs.
Jeder einzelne von uns, so kann man auf zahlreichen Internetseiten lesen, habe seine eigene Schar von mächtigen Lichtwesen, die uns leiten und für uns sorgen. Man könne sich ihren Schwingungen öffnen und in Kontakt treten.
Hier und da gibt es sogar für jede Lebenslage einen anderen Engel im Angebot. Die Bibel wird dabei gern als Referenzbuch herangezogen. Wahrscheinlich auch deshalb, weil sie so dick ist und ohnehin keiner nachliest.
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Würde man es tun, könnte man entdecken, wie nebensächlich Engel in ihr sind. Als Boten - nichts anderes heißt das Wort "angelus" - Gottes treten sie ganz hinter ihrem jeweiligen Auftrag zurück. Sie weisen auf den einen Gott hin und das, was er von sich zeigt. Jedenfalls sind sie weder Sachbearbeiter für die Wechselfälle des Lebens noch Vorzimmerdamen, die die kleiner Dinge selbst erledigen, damit der Chef nicht damit behelligt wird.
Der freilich behelligt uns mit seiner Nähe. Das ist christliche Botschaft. Gott hellt auf, wo wir mit ihm dran sind: Dass er Direktkontakt anbietet und was er schenkt und fordert, kann man an Jesus Christus ablesen.
Wenn überhaupt, dann dienen ihm die Engel. Er soll groß herauskommen und hoch im Kurs stehen. Das ist ihr Job und ihr Botendienst.
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Der Engel-Boom bringt unsere spirituelle Sehnsucht ans Licht. Da ist nichts gegen zu sagen. Wer aber Bote und Botschaft verwechselt, gleicht einem, der beim Erhalt eines Liebesbriefes den Briefträger vergöttert und das Schriftstück einrahmt, aber das Wichtigste übersieht: den Absender, dessen Liebe und Freude an der Beziehung.
"Come in and find out": Englisch kann verwirren. "Engel-isch" auch. Mancher kommt vielleicht so herein in einen Glauben, findet aber nicht heraus, um wen und worum es wirklich im christlichen Glauben geht.
Echte Engel im biblischen Sinn müssten aber genau diese Übersetzungsarbeit leisten oder sie verdienen diesen Titel nicht. Gott sei Dank sorgt er selbst für uns und lässt sich nicht vertreten: "Komm ´rein und find´s heraus!" - dazu öffnen sich sonntags die Kirchentüren.
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