Spiele im Zeichen der Ringe
Gedanken zum 12. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Nicola Watschong
Lektorin im Ev. Gesamtverband Oberweser
Chinesische Weisheit
Sie standen am Spielplatz, wo die Kinder sich tummelten, als der Schüler den Meister Meng-tse fragte: "Sage mir doch, wie es kommt, dass alle Menschen glücklich sein wollen und es doch nicht werden?"
Meng-tse wies auf die spielenden Kinder: "Ich meine, die da sind glücklich."
"Wie sollten sie nicht?" entgegnete sein Schüler. "Es sind Kinder, und sie spielen. Wie ist es aber um das Glück der Erwachsenen bestellt?"
"Wie um das Glück der Kinder, genauso", entgegnete Meng-tse.
Indem er das sagte, hatte er eine Handvoll Kupfermünzen hervorgeholt und warf sie unter die spielenden Kinder. Da verstummte mit einem Mal das fröhliche Lachen, und die Kinder stürzten sich auf die Kupfermünzen. Sie lagen am Boden und rauften um ihren Besitz. Geschrei und Gezeter hatten das frohe Lachen abgelöst.
"Und nun", fragte Meng-tse, "was hat ihr Glück zerstört?"
"Die Gier." erwiderte sein Schüler.
"Da hast du die Antwort auf deine Frage. Alle Menschen erfüllt die Sehnsucht nach dem Glück, aber die Gier in ihnen, es zu erjagen, bringt sie gerade um das, was sie sehnlichst wünschen."
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Mehr als jemals zuvor stellt sich die Frage, ob die olympischen Spiele Spiele im sportlichen oder im machtpolitischen Sinne sind, ob sie überhaupt noch "spielerisch" sind. Ganz sicher aber stehen sie in Gefahr, die kindlich schlichte Freude an Bewegung und Begegnung zu verlieren.
Es geht zwar nicht um Geld, aber um Gold, dem im Zeichen der Ringe nachzujagen zum Glücks- oder Verlustgefühl einer ganzen Nation wird. Worum es den Gastgebern geht, diese Frage bleibt offen - und hoffentlich in der Diskussion.
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Im Matthäusevangelium lesen wir vom Rangstreit der Jünger und ihrer Gier nach dem Himmelreich: "Die Jünger traten zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." (Mt 18, 1-3)
Dabei geht es im Leben nicht um die Erwartung eines großen Gewinns oder Ziels, ob Gold, Macht oder Himmelreich. Das Leben, und das Glück, das sich darin finden lässt, definiert sich mit jedem nächsten Schritt immer wieder ganz neu. Immer nur ein Schritt!
Ob wir um diesen Schritt ringen müssen oder ihn mit spielerischer Leichtigkeit gehen können hängt davon ab, in wie weit wir uns Gottes Wegen wie ein Kind anvertrauen können.
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Bleibt, den Gastgebern, Veranstaltern, Teilnehmern, Besuchern und Beobachtern der Olympiade diese spielerische Leichtigkeit zu wünschen - und, im Falle der Gastgeber, die Besinnung auf die eigenen Weisheiten.
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