Gott lässt auch mal mit sich handeln
Gedanken zum 9. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Arno Backhaus
Mitglied im Gründungs- und Leitungsteam der Christusgemeinde am Airport in Calden-Meimbressen, einer neu gegründeten, interkonfessionellen Gemeinde
Mose flehte vor dem Herrn: "Ach Herr, kehre dich ab von dem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst." (2. Mose 32, 11+12).
Was ist der Mensch, dass er Gott Ratschläge geben kann? Mose kann. Was ist der Mensch, dass er Gott bitten kann, zu gereuen? Das steckt ja das Wort Reue drin. Gott soll Reue praktizieren? Hat er denn was falsch gemacht?
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Wenn ich unsere Gebete in Gottesdiensten erlebe, erfahre ich immer wieder, wie schön kultiviert wir mit Gott umgehen, welche wohl formulierten, unter jeden Teppich passenden Vokabeln wir benutzen.
Die haben keine Ecken und Kanten, die sind wohl abgerundet, passen in jede evangelikale, liberale, charismatische, liturgische oder volksmissionarische Schublade. Bei uns ist vieles so kontrolliert, läuft erst über den Verstand und dann reden wir im Abstand mit Gott.
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Die Bibel aber berichtet öfters davon, wie menschlich manche Menschen mit Gott umgehen. Sie klagen Gott an "Wo warst du?" "Warum schweigst du?" "Ich erfahre dich nicht mehr!" Manche biblischen Figuren handeln sogar mit Gott. Sie fordern ihn heraus.
Irgendwie habe ich den Eindruck, Gott und der Mensch sind mehr miteinander verwoben im ganz normalen Alltag. Mindestens in der Zeit von der die Bibel berichtet. Gott ist näher dran am Geschehen.
Und im Alltag fliegen dann auch mal die Fetzen, da wird nicht lang an Worten gefeilt, da kommt was aus dem Bauch und dem Herzen, so wie es drinsteckt, ungefiltert.
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Und das merkwürdige, des Merkens würdige, Gott lässt mit sich handeln, Gott lässt so mit sich reden, lässt sich hinterfragen. Er geht auf den Menschen ein, der ihm, dem scheinbar unnahbaren Gott, Ratschläge der Verhaltensänderung gibt. Unvorstellbar, aber wahr, Gott ist beweglicher und flexibler als manche denken.
In Vers 14 im 2. Buch Mose können wir lesen: "Da ließ sich der Herr zur Änderung seines Sinnes im Blick auf das Unheil umstimmen, das er seinem Volk zugedacht hatte." Das wär’s doch, mit Gott im Alltag verhandeln. So, als wäre er nicht nur sonntags bei uns in der Kirche, sondern auch bei der Reifenpanne auf dem Weg in den Urlaub, beim Elterabend "im kleinen Kreis", in der Chefetage, wenn ich gerade die Entlassungspapiere abhole, bei… ach, Sie wissen schon.
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