Wir Alten von morgen
Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis 2008
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Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar
Über fehlende Zukunftsvisionen
Deutschland altert unaufhaltsam. Immer weniger Kinder werden bei uns geboren. Und immer mehr Menschen werden immer älter. Nach Berechnungen der UN schrumpft unsere Bevölkerung um 200.000 Personen pro Jahr.
Eine ganze Gesellschaft droht zu vergreisen - und fast niemand interessiert sich dafür. Dabei sind die Alten von Morgen doch schon heute auf der Welt. Zumindest bei ihnen, den heute 20-40-Jährigen, müssten eigentlich die Alarmglocken läuten, wenn sie an ihre Zukunft denken. Tun sie aber nicht.
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Die Frage, wer eigentlich unsere Rollstühle einmal schieben soll, wenn mehr als 1/3 der Bevölkerung über 60 Jahre alt sein wird, beschäftigt offenbar nur wenige. Dabei geht es doch um mehr als nur ein Absinken des Rentenniveaus.
Wie wird sich unser Lebensgefühl in einer immer älter werdenden Gesellschaft verändern? Wie risikobereit werden wir noch sein und wie innovativ? Und wie wollen wir wohnen? Doch wohl nicht in überfüllten Pflegeheimen mit Massenabfertigung!
Was wir brauchen ist eine Vision vom Leben in einer alternden Gesellschaft. Was wir haben ist leider nur ein Jugendlichkeitswahn derjenigen, für die "alt" immer nur die anderen sind.
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"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren", heißt es in der Bibel, "auf dass du lange lebst und dir's wohl ergehe". Das eigene Wohlergehen im Alter als Motivation, spätestens ab 30 eine andere Tonart gegenüber den heutigen Senioren anzuschlagen? Eine weniger diskriminierende Haltung gegenüber dem Alter, dem eigenen und dem der Anderen? Kein schlechter Gedanke!
Denn die Bereitschaft zum Abgeben und Teilen ist eine Lebenshaltung, die man beizeiten einüben muss. Auch zum eigenen Nutzen!
Schließlich ist eines sicher: Im Vergleich zur gegenwärtigen Rentnergeneration werden wir Alten von morgen den Jüngeren nicht weniger zumuten, sondern mehr! Diese schlichte Einsicht ist noch keine Vision. Aber vielleicht ein Anfang.
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