Sprachlos
Gedanken zum Sonntag Sexagesimae 2008
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Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar
Ein kleiner Gruß, eine knappe Information. Einsilbige Antworten auf mütterlich interessiertes Fragen. Nur das Nötigste mitteilen - wenn überhaupt. Es sind eben Jugendliche. In schwierigem Alter. Wie das so ist mit der Pubertät.
Dennoch: So viel Schweigen finde ich manchmal schwer erträglich. Es kränkt und schmerzt - und lässt mich meinerseits verstummen. Wie viele leiden tagtäglich unter solcher Sprachlosigkeit - zwischen den Generationen, in der Partnerschaft, unter Nachbarn, am Arbeitsplatz.
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Die allgegenwärtige Flut von Bildern und Worten via TV oder Video mag kurzfristig zerstreuen und ablenken, tröstet aber nicht über Einsamkeit und Leere hinweg. Nachrichten per SMS signalisieren zwar, dass einer an mich denkt, sie ersetzen aber nicht sein Lächeln oder die freundschaftliche Umarmung. Und ein kurzer informeller Austausch mag durchaus von organisatorischem Nutzen sein, stillt jedoch nicht die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Wärme.
Es scheint paradox, dass unsere "Kommunikationsgesellschaft" einerseits multimediale Möglichkeiten zur Verständigung bietet, andererseits aber immer mehr Menschen das echte Gespräch vermissen.
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"Am Anfang war das Wort" - sagt die Bibel. Sie weiß um dessen elementare Bedeutung, von seiner schöpferischen, beziehungsstiftenden und -erhaltenden Kraft. Sie redet sogar davon, dass Gott im Wort zu finden sei. Sprechen - und Hören - als kreativer Akt, als personale Begegnung!
Indem ich meine Innenwelt, meine Gedanken und Empfindungen veräußere, gewinnt sie nicht nur für mich eine neue Gestalt. Auch meinem Gegenüber öffnet sie sich, gewährt Einblicke, die ihm erlauben, mich zu verstehen - in meinem Glück und meiner Freude am Leben genauso wie in meinem Suchen und in meiner Angst.
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Nur: Wer sich so (mit-) teilt, wird verletzbar. Wartet auf eine Reaktion, eine Antwort. Möchte nun selbst empfangen. Nicht immer müssen das Worte sein. Doch manchmal wollen wir es einfach hören: Das freundliche, aufmunternde Wort ebenso wie das kritische, mahnende und warnende - immer aber das unaufdringliche, teilnehmende, dem Menschen zugewandte Wort.
Mensch sein. Sprechen und Zuhören. Zuhören und Sprechen. Wir können das lernen und kultivieren - früher oder später. Gott sei Dank!
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