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Was man vom Erdbeerschorsch lernen kann

Gedanken zum Sonntag Septuagesimae 2008

Pfarrer Norbert Mecke

Norbert Mecke
Pfarrer im Kirchspiel Holzhausen

Nicht nur ältere Menschen verhören sich manchmal. Von Axel Hacke gibt es ein "Kleines Handbuch des Verhörens" mit dem Titel "Der weiße Neger Wumbaba" (Sie mögen selbst ein wenig raten, welcher Verhörer zu diesem Titel führte).

Meine liebste Episode daraus ist die vom kleinen Schüler, der freudig erzählt: "Mama, wir müssen uns morgen schön anziehen, weil der Erdbeerschorsch kommt, und der will uns alle filmen!". Als die verdutzte Mutter die Lehrerin anruft, erfährt sie, dass die eigentlich angesagt hatte, der Erzbischof käme und wolle dann alle firmen.

Verhörer können herrlich sein. Wussten Sie zum Beispiel, dass unser Wort "Hokuspokus" eigentlich einem kirchlichen Verhörer entsprungen ist? "Hoc est corpus..." ("Das ist -mein- Leib..."), hieß es in der lateinischen Abendmahlsliturgie, die das einfache Volk nicht verstand und daraus machte, dass der Pfarrer da vorne wieder "Hokuspokus" veranstalte.

Man kann aus Verhörern eine Menge lernen: Es lohnt sich, genau nachzufragen, ob man denn alles richtig verstanden hat. Wie viele Missverständnisse, öffentliche Zerwürfnisse (erst recht in Wahlkampfzeiten), Leserbriefe oder eigene Grübelei darüber, wie der andere das gemeint haben könnte, blieben uns erspart. Dazu muss man zweierlei: Verstehen wollen und damit rechnen, dass man manchmal Dinge missversteht.

Und umgekehrt kann man lernen, dass manches Gesagte bei anderen nicht automatisch so ankommt, wie man es gemeint hat. "Da vorne ist grün!" hört ein Autofahrer nicht nur als Sachinformation, sondern möglicherweise auch als Aufforderung: "Gib Gas!" oder als Botschaft: "Du brauchst meine Hilfestellung!" Ist anders zu erklären, warum die hitzige Antwort "Fahre ich oder Du?!" lautet und selten allein aus "Das stimmt!" besteht?

Wenn wir uns auch in 2008 "gut verstehen wollen" im Ort und in der Familie, im Großen und im Kleinen, braucht es möglichst klare Ansagen, was man eigentlich meint, und selbstkritisches Damit-Rechnen, dass man sich ab und an verhört.

Und je heikler ein Inhalt ist, täte es schließlich umso mehr gut, nichts weiterzuverbreiten, was man "nur aufgeschnappt" hat. Wenn selbst ein Erzbischof "Hokuspokus" zum "Erdbeerschorsch" mutieren kann, filmen wir uns mit manchem Gerücht wohl nur selbst. Dabei geht es doch darum, firm zu werden, immer besser zu verstehen: einander und Gott. Das hätte auch der "Erdbeerschorsch" gewollt - wetten?!

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