Nachfolge
Gedanken zum Sonntag Okuli 2008
![]()
|
Christian Trappe
Pfarrer im Kirchspiel Lippoldsberg
Geprägt durch Bilder aus biblischen Geschichten sehen wir Jesus immer in einer Traube von Anhängern, die ihm nachfolgen, wie Entenküken ihrer Mutter folgen.
Nachfolge bedeutet aber nicht, Jesus nachzuahmen, in unseren Entscheidungen stets auf sein Vorbild zu schielen und dabei immer fremdbestimmt zu bleiben.
![]()
Jesus wollte seine Jünger nicht als ewige Schüler, sondern als Menschen, die selbst den Weg des Lebens gehen, die selbst eintreten in seine Haltung der Freiheit.
Dazu braucht es nicht ängstliche Nachfolger, sondern Menschen mit Mut zu eigenen Entscheidungen und der Bereitschaft, auch unangenehme Konsequenzen zu tragen.
![]()
Denn "Leben ist Leiden" - das hatte schon Buddha gesagt. Und das hat auch Jesus immer wieder betont. Leiden ist dabei keine Fixierung auf leidvolle Aspekte. Das wird besonders deutlich bei Jesu skandalösem Satz:
"Lass die Toten ihre Toten begraben."
Man kann aus diesem Wort keine prinzipielle Absage an alle Trauerkultur ableiten. Jesus weiß, dass es Zeiten im Leben gibt, in denen man sich mit dem Tod auseinandersetzen muss. Aber er weiß auch, dass die Gefahr besteht, sich in Probleme und Traumata zu verkrallen. Trauer hat ihre Zeit, aber sie ist nicht das Letzte; es gibt auch eine Zeit, daraus aufzubrechen.
![]()
"Leiden" in einem spirituellen Sinn ist weiter, eher im Sinne von "Passivität" zu verstehen. Es ist trügerisch, zu meinen, das Leben durch unser Tun in den Griff bekommen zu können. Alle Sicherheiten, die wir um uns aufbauen, trennen uns vom Leben. Wer wirklich lebendig werden will, muss zu einem Tanz mit Gott bereit sein, der uns in alle Höhen, aber auch in alle Tiefen führt.
Christus ist der Weg.
Nachfolge ist Bewegung,
nicht: Verharren auf Standpunkten. (Bernhard Scholz)
![]()

