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Unmagische Verwandlung

Gedanken zu Epiphanias 2008

Pfr. Thomas Schrader

Pfarrer Thomas Schrader
Gemeindepfarrer in Vernawahlshausen und Seelsorger in der Klinik Lippoldsberg.

"Heilige drei Könige" ist ein volkstümliches Fest am 6. Januar. Je näher man der Stadt Köln kommt, desto intensiver werden Kaspar, Melchior und Balthasar gefeiert. Ihre sterblichen Überreste gelangten vor langer Zeit auf verschlungenen Wegen nach Köln. Über ihren Reliquien wurde der Kölner Dom errichtet.

Aber wieso ist eigentlich von drei Königen die Rede? Im Evangelium nach Matthäus wird doch weder von Königen noch von drei Personen berichtet. Kurz und knapp heißt es dort, Magier aus dem Osten hätten sich, einem Stern folgend, auf einen Weg begeben, der sie schließlich zum Stall von Bethlehem geführt habe. Wie konnten sich die Magier in drei Könige verwandeln?

In den christlichen Gemeinden wurde in der jüdischen Bibel, unserem so genannten "Alten Testament", gelesen und geforscht. Schon früh hat man zwei Verse aus Psalm 72 auf die Magier aus dem Osten bezogen: "Die Könige von Tarsis und auf den Inseln sollen Geschenke bringen, die Könige aus Saba und Seba sollen Gaben senden. Alle Könige sollen vor ihm niederfallen."

Zu drei Personen wurden sie wegen der Dreizahl der Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Die Umdeutung der Magier zu Königen war politisch brisant. Die Kaiser in Rom ließen sich und ihren "Genius" als gottgleich verehren. Manche Christen bezahlten mit ihrem Leben, weil sie sich dem Kaiserkult widersetzten.

Die drei Könige aus dem Osten lieferten ein Gegenbild: Sie unterwerfen sich dem göttlichen Kind in der Krippe, knien nieder und beten es an. Sie beschränken ihre Macht.

Die Erinnerung an diese Machtbeschränkung blieb lange lebendig. Alle mittelalterlichen Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" pilgerten nach Köln zu den Reliquien der drei "Könige", um diese "Unterwerfungsgeste" symbolisch nachzuvollziehen.

Und heute? Was ist mit einer solchen Geschichte in einem demokratischen Rechtsstaat anzufangen? Macht und Machtbeschränkung sind auch heute brisante Themen. Sie betreffen nicht nur Politiker, sondern auch Wissenschaftler. Die christlichen Gemeinden sind herausgefordert, in einer offenen Kultur mit zu streiten und zu diskutieren.

Vielleicht aber können wir mit der Geschichte noch mehr anfangen, wenn sich die drei Könige wieder in Magier und Sterndeuter zurückverwandeln. Sie waren die Philosophen, die Suchenden ihrer Zeit.

Die Magier aus dem Morgenland erinnern daran, dass religiöser Glaube eine lebenslange Suche, ja eine Entdeckungsreise ist. Sie laden dazu ein, das Kind in der Krippe, Jesus, neu zu suchen und in ihm Gott zu finden.

Die Weihnachtsgeschichte zeigt, dass Gott sich ganz anders und gegen alle unsere Erwartungen finden lässt. So schenke Gott 2008: Empfindsamkeit, helle Augen, gespitzte Ohren, wachen Verstand und mutige Schritte.

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