Christallnacht
Gedanken zum drittletzten Sonntag 2008
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Pfarrer Dr. Michael Dorhs
Studienleiter am Ev. Predigerseminar in Hofgeismar
Zum Gedenken an den 9. November 1938
Und schon hängen wir mit drin. Nur einen Anfangsbuchstaben ausgetauscht, und wir Christinnen und Christen sind auf einmal mit in den Judenpogrom der Nazis vor 70 Jahren verwickelt!
Ob das Frieda Adler, einer aus der Hofgeismarer Familie Heilbrunn stammenden Jüdin, wohl bewusst war? Denn sie war es, die diesen Begriff in einem Brief mit oder ohne Absicht verwandte.
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"Christallnacht" - Die Haltung der evangelischen Kirche gegenüber der rassistischen Ausgrenzung jüdischer Männer, Frauen und Kinder aus dem deutschen Volk ist in der Tat kein Ruhmesblatt der Kirchengeschichte. Die meisten der führenden Männer der Bekennenden Kirche waren Antisemiten.
Kein Wunder, hatte das Christentum doch jahrhundertelang "die Juden" für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht und damit als Gottesmörder gebrandmarkt. Und sogar Martin Luther gab 1543 aus Enttäuschung über die Bekehrungsunwilligkeit der Juden Ratschläge nicht nur zur Zerstörung ihrer Gotteshäuser, sondern sogar zu ihrer Ausrottung.
Als dann am 9. November 1938 auch im Kreis Hofgeismar die Synagogen geschändet und jüdisches Eigentum zerstört wurden, da fanden sich nur ganz wenige Christen an der Seite ihrer verstörten jüdischen Nachbarn wieder. Stille Helden, wie z.B. die Familie von Anni und Werner Hermann aus Hofgeismar, deren Mut und Menschlichkeit zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.
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"Christallnacht" - haben wir Christinnen und Christen unsere Lektion aus der Geschichte gelernt? Wer steht auf, wenn in der Schule oder am Stammtisch wieder ungeniert Judenwitze erzählt werden?
Schreiben wir Leserbriefe, wenn in der Zeitung jüdisches Leid relativiert oder gar das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird? Halten wir die Erinnerung an die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens wach?
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"Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan." (Mt 25, 40). Das war Jesu Überzeugung ohne Wenn und Aber.
Deshalb können Christen selbstverständlich über viele politische oder theologische Fragen unterschiedlicher Meinung sein. Über die unverbrüchliche Solidarität mit ihren älteren Glaubensgeschwistern aus dem Judentum aber niemals!
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