Wenn die Blätter fallen
Gedanken zum 22. Sonntag nach Trinitatis 2007
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Pfarrer Thomas Schrader
Gemeindepfarrer in Vernawahlshausen und Seelsorger in der Klinik Lippoldsberg.
Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke
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Herbstübung
Ja sagen zum Fallen des Laubs:
Bejahen, was häufig verneint wird.
Bejahen, dass Schönes und Kräftiges vergeht,
an Blüte und Farbenpracht verliert, verblasst und abstirbt.
Den natürlichen Lauf erkennen - ganz aus der Nähe.
Ja sagen zum Fallen des Laubs:
Alleinsein empfinden, Vergessensein.
Dem Versinken nahe sein.
Müdigkeit und Betrübnis spüren.
Den November überdauern, einigeln
und auf neue Lichtstrahlen warten
sich Stille aussetzen und schweigen.
Ja sagen zum Fallen des Laubs:
Erkennen, dass Leben in Bewegung ist,
Leben, das alles verändert.
Es ist ein Wunder, das Leben.
Ja sagen zum Fallen des Laubs:
Alles Tote durch die Sehnsucht nach Lebendigem überwinden.
Nach dem Fallen wieder Kraft finden, um aufzustehen.
Erkennen, dass wir erschaffen wurden, um zu leben.
Für Gott sind wir Aufständische. Auferstandene.
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