Exerzitien
Gedanken zum 20. Sonntag nach Trinitatis 2007
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Pfarrer Stefan Nadolny
Pfarrer in Trendelburg und Friedrichsfeld
Vater von 3 Kindern
Neulich habe ich Paulo Coelho gelesen, "Auf dem Jacobsweg", dem uralten Pilgerweg durch Nordspanien.
In einer sehr gefährlichen Situation fragt sich der Autor: Wieso das alles? Wieso dieser Weg, wieso diese Exerzitien, diese geistlichen Übungen? Wieso gehe ich nicht einfach nach Hause zu meiner Frau, habe Kinder und meine Ruhe?
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Lieber Herr Coelho, ich muss Sie enttäuschen. So einfach ist das nicht. Familie ist nicht die pure Entspannung. Da muss man Konflikte durchstehen wie Sie auf dem Jacobsweg. Da lauern Gefahren, man tappt im Dunkeln und allzu leicht kommt man vom Weg ab. Und ohne Entbehrungen geht es auch nicht zu.
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Aber betrachten wir die Dinge positiv: Auch Familie ist eine Art Pilgerwanderung mit geistlichen Übungen. Man lernt Geduld und Grenzen setzen. Man lernt zu entscheiden, was wichtig ist, denn nicht mehr für alles ist Zeit.
Man muss sich über die verrücktesten Dinge Gedanken machen, wenn Kinder fragen: Wer hat das alles hier gemacht? Und was wird sein, wenn wir alle gestorben sind?
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Jede Menge geistliche Übungen auf dem Weg der Familie! Wenn man so will. Aber das ist auf jedem Pilgerweg so: Man muss ihn gestalten. Ein Pilgerweg muss bewusst gegangen werden, als eine Suchbewegung.
Und das Ziel der Pilgerreise? Nicht Santiago, nicht Rom, nicht Jerusalem. Vielleicht der Sonntag - der siebte Tag, an dem auch Gott sich ausgeruht hat von all seiner Arbeit, wahrscheinlich mit der ganzen Familie.
Oder auch, dass man zwischendurch auch mal mit Hape Kerkeling sagen kann: "Ich bin dann mal weg" - z.B. auf dem ein oder anderen "richtigen" Pilgerweg.
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