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Bis jetzt ist dieser Tag gut gelaufen

Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis 2007

Pfarrer Norbert Mecke

Norbert Mecke
Pfarrer im Kirchspiel Holzhausen

Gedanken zu einem ungewöhnlichen Gebet

"Lieber Gott, bis jetzt ist dieser Tag gut gelaufen. Ich hab´ über niemand gelästert, war nicht neidisch, nicht zornig, habe niemanden beleidigt, war nicht selbstsüchtig, habe niemanden belogen und nichts geklaut. Ich will nicht angeben, aber ich finde, du kannst bisher ganz zufrieden sein mit mir. Aber in ein paar Minuten, da werde ich deine Hilfe wirklich brauchen. Denn dann muss ich aufstehen und frühstücken…"

"Morgengebet, anonym überliefert" steht unten auf dem kleinen Zettel, der an meiner Pinwand hängt. Er hängt da, weil ich denke: "So ist es. Merk´s Dir gut!"

Es geht ja schnell, dass man überzeugt ist, man schaffe es gut alleine und sei doch eigentlich ganz okay: Wenn das Leben einigermaßen läuft und man freundlich ist, wenn man keine Einträge in seinem "Polizeilichen Führungszeugnis" hat und nicht unangenehm auffällt, ist dann nicht alles im Lot?! Kann man denn dann nicht auch ein wenig (selbst-) zufrieden vor Gott und der Welt dastehen?

"Herr Pfarrer, ich gehe nicht zum Abendmahl. Ich wüsste nicht, für was ich Vergebung nötig hätte!", hat passend dazu vor ein paar Wochen jemand zu mir gesagt. Hut ab: Wer so mit sich im Reinen ist!

Ich finde mich da eher in diesem Morgengebet wieder. Ich brauche Gottes Hilfe und seine Vergebung. Ich lebe nicht einfach automatisch so in den Tag hinein, wie es Gott gefällt. Nach seinen Maßstäben ist die Liebe, die ich an den Tag lege, mein Umgang mit anderen, meine Geduld, mein Lebensstil garantiert noch ausbaufähig: Tag für Tag.

Ich bleibe zurück hinter dem, wie Gott sich mein Leben wünscht. Ich brauche Vergebung von Gott und Mitmenschen, und ich will wachsen in Glaube und Liebe: nicht verkrampft, sondern mit der Fröhlichkeit und dem Humor, die auch aus diesem Morgengebet heraussprudeln.

Wachsen, nicht weil mich Gott erst dann "gut" findet - seine Liebe steht: längst vor unseren Taten. Nein, wachsen, weil ich auf diese Liebe antworten will und es mir und anderen zugute kommt, wenn ich so werde, wie es sich Gott vorstellt.

Guter Gott, dafür habe ich deine Hilfe wirklich nötig!

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