Gedankenexperiment
Gedanken zum Sonntag Sexagesimae 2007
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Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar
- Schein oder Sein? -
Karneval: Einmal Prinzessin sein! Prächtig geschmückt und kostbar gewandet, eine Erscheinung voller Glanz und Anmut - der Traum vieler kleiner Mädchen. Nur ein Traum?
Jede Frau ist eine Königin, jeder Mann ist ein König! Wie geht es Ihnen mit dieser Vorstellung? Wie passt Ihr Lebensgefühl dazu? Was müsste geschehen, damit Sie sich selbst so fühlen? Und wie werden Sie der nächsten Person in die Augen schauen, wie werden Sie sich ihr gegenüber verhalten? Was würde sich alles verändern?
Eine Gesellschaft von lauter Souveränen, Königinnen und Königen - das ist nicht bloß ein verwegener Traum, sondern eine Vision von den Möglichkeiten unseres Menschseins.
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Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes erschuf er ihn; und er schuf sie als Mann und Frau (vgl. Gen 1, 26), so lautet die biblische Begründung für die besondere Würde jedes Einzelnen.
Ein Zuspruch zunächst, wie er großartiger nicht sein kann, der innerlich aufrichtet, von Fremdbestimmung befreit und ein Selbstbewusstsein schafft, das Sand im Getriebe gefestigter Herrschaftsstrukturen ist.
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Ein hoher Anspruch aber auch, Gott in dieser Welt angemessen zu repräsentieren - wie ein guter König oder eine gute Königin eben, die sich der Gerechtigkeit und dem Wohlergehen aller verpflichtet wissen. Ein Anspruch, hinter dem wir doch immer wieder zurückbleiben, weil wir allzu menschlichen, weniger edlen Motiven folgen und den Verlockungen dieser Welt erliegen.
Allein die Person Jesu verkörpert nach christlichem Verständnis den gottebenbildlichen Menschen, von Gott her und auf Gott hin lebend, fähig sich hinzugeben und zu dienen. Von der Krippe bis zum Kreuz: Ecce homo! Was für ein König!
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Uns bleibt die Bestimmung, wunderbare Gabe und lebenslange Aufgabe über die Faschingszeit hinaus: Jede ist eine Königin, jeder ist ein König! Dafür brauchen wir weder Kostüme noch Masken, sondern Lust und Freude am Menschsein, den innigen Wunsch und den Mut, das zu werden, was wir in Gottes Augen schon sind.
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