Bin ich Jesus?
Gedanken zum Sonntag Rogate 2007
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Hans Martin Wirth, Diakoniepfarrer in den Kirchenkreisen Hofgeismar und Wolfhagen
In der Begegnung mit Menschen, die mich um Hilfe bitten, spüre ich, wie ich immer wieder auf einen wunden Punkt in mir stoße. Wer kennt das nicht: Damit man bereit wird, auf einen Menschen zuzugehen oder ihm auch behilflich zu sein, muss der Andere mindestens halbwegs sympathisch sein, freundlich reden, nicht nörgeln oder widersprechen, reinlich sein und sich vor allem auch dankbar zeigen.
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Aber wehe, wenn nicht. Dann hält sich die Hilfsbereitschaft in Grenzen. Wenn man dann trotzdem hilft, muss man einige Widerstände in sich überwinden, dann muss man sich selbst überwinden. In mir sitzen tief verwurzelte Neigungen oder Abneigungen, aber auch schnelle Urteile über andere.
Und vor allem das Bedürfnis mich selbst zu schützen. Denn meine Hilfsbereitschaft darf auch nicht ausgenutzt werden. Allen kann ich auch nicht helfen. Und ich muss gerecht bleiben.
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Oft muss ich in solchen Momenten an das Mahl Jesu denken, das wir gemeinsam miteinander feiern. Darin versichert uns Jesus, so unterschiedlich wir sind, der voraussetzungslosen Liebe Gottes, die uns alle zu Brüdern und Schwestern macht, auch den, der mir unsympathisch ist. Trotzdem sind da oft meine Vorbehalte.
Ich bin eben nicht Jesus. Ich merke, dass Jesus uns zwar viel schenkt aber auch allerhand zumutet. Er sagt: Die Liebe und Fürsorge Gottes erhaltet ihr voraussetzungslos. Daher gebt anderen, was ihre Not wendet. Hört auf zu richten und zu verrechnen.
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Dazu fordert er uns auf: Ändert euren Sinn, eure innere Haltung und handelt anders als bisher. "Tut Buße" heißt dies in biblischer Sprache, erkennt euch selbst und lasst euch von Gottes Liebe überwinden. Dann werdet ihr frei, die Liebe Gottes weiter zu geben - an viele, nicht nur an die, die euch sympathisch sind.
Nicht immer gelingt einem dies. Aber ich darf auch sagen: Das kann ich jetzt nicht. Zum Glück bin ich nicht allein mit dieser Aufgabe. Als Gemeinde Jesu, als Brüder und Schwestern können wir uns darin gegenseitig unterstützen und ermutigen.
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Und: Gott schenke uns seinen Geist, der uns frei und neu werden lässt und alle "wenn" und "aber" seiner Gerechtigkeit einordnet.
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