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"Das Geheimnis des evangelischen Dreiecks"

Gedanken zu Pfingsten 2007

Pfarrer Lars Hillebold

Pfarrer Lars Hillebold
Gemeindepfarrer in Oedelsheim und Gottstreu

Michael kramt auf dem Dachboden zwischen den alten Kisten seines Vaters. Versteckt hinter den unzähligen Kisten voller ebenso unzähliger Spinnenweben schaut eine kleine dunkelbraune Holztruhe hervor. Eigentlich ist es keine Truhe, sondern eine dreieckige Kiste. Quietschend und ein wenig mühsam lässt sie sich öffnen. Zum Vorschein kommen eine Kerze, eine Weinflasche mit nicht entzifferbarem Etikett und ein modrig riechendes, vergilbtes altes Buch.

Irgendwo lag doch noch eine Schachtel Streichhölzer. Ach da! Michael ratscht das Streichholz an und die Kerze brennt. Plötzlich wird es auf dem dunklen Dachboden hell, als hätte jemand die Sonne an die Decke gehängt.

Eine ihm bisher unsichtbare Tür im Dachboden öffnet sich, als wäre es ein Fenster zum Hof. Und Michael schaut und es wird ihm plötzlich alles klar: Menschen. Mengen von Menschen. Ein reines Menschenmeer. Christenmenschen. 12 Männer und viele Frauen, die schon Einiges erlebt haben. Richtige Zeugen. Sie erzählen: Live haben sie Jesus Christus gesehen und angefasst. Da sind die anderen: die glauben, weil sie die Geschichten der Jünger entbrannt haben. Viele sind da, die könnten das alles noch nicht so recht glauben.

Da stehen neue Freunde zusammen, trinken Brot und Wein an einem Tisch, obwohl sie vorher nur übereinander gelästert hatten. Da ist ein geldgieriger Steuereintreiber, der sein Geld so verteilt hat, dass er und die anderen genug haben. Da sind Erwachsene, die sich zu diesem Jesus Christus bekennen und rufen: Ich will getauft werden.

Die Kerze erlischt … und so sehr Michael es versucht, sie geht nicht wieder an. Egal. Es gibt ja noch mehr zu entdecken. Rasch entkorkt er die Flasche. Ein anziehender Duft strömt ihm entgegen: Wein. Ein kleiner Schluck … keiner würde es merken … es würde schon nichts schaden... Kaum berührt der erste Tropfen Wein seine Zunge, ist ihm, als würde sich alles drehen.

Ihm wird nicht schwindelig. Doch wo er ist, kann er nicht mehr sehen. Alles verschwimmt. Dann hört das Drehen langsam auf, wird immer langsamer und kommt zum Stillstand. Nun hockt er da; nicht mehr auf dem Dachboden seines Hauses, sondern auf einem anderen Dachboden eines alten Steinhauses.

Seine Augen schauen nach unten und sein Blick fällt in einen großen Raum: 13 Menschen beim Abendessen. Plötzlich ist ihm als schauten 26 Augen zu ihm hinauf. Er erschrickt. Hält den Atem. Sein Herz pocht so laut, als säße einer mit einem Hammer neben ihm. Sie reden in allen Sprachen. Manche kommen ihm vertraut vor. Andere hatte er noch nie gehört. Und doch sprechen sie alle miteinander.

Und dann sieht er es: Mitten auf dem Tisch liegt ein altes vergilbtes Buch. So eines wie auch in der Kiste seines Vaters gelegen hatte. Er springt auf, stößt sich am Dachbalken den Kopf. Au! Das würde eine Beule werden. Und ehe er wieder weiß, wie es geschieht: liegt er auf dem alten Dachboden seines Vaters und schaut sich um.

Seltsam, der Wein ist leer, als wären Menschen hier gewesen. Die Taufkerze steht anders als vorher. Alles liegt wie in einem Dreieck angeordnet. Egal. Dies Buch sieht genauso aus, wie das, was er auf dem Tisch gesehen hatte. Er schlägt es auf und liest:

Das Geheimnis des evangelischen Dreiecks! Hier erzähle ich Dir, der Du dieses Buch gefunden hast, die Geschichte von dem, was zwischen Taufstein, Altar und Kanzel seit Jahrhunderten geschieht. Ich erzähle Dir vom Geheimnis des Lebens zwischen Gott und uns Menschen - von seinem Geist, der uns eine andere Welt zeigt. Michael liest die Widmung:

Du hast mir kundgetan die Wege des Leben; du wirst mich erfüllen mit Freude vor Deinem Angesicht (Apostelgeschichte 2,28).

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