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Der König der Leidtragenden

Gedanken zum Palmsonntag 2007

Pfarrer Christian Wachter

Christian Wachter, Pfarrer in Hofgeismar Gesundbrunnen, Schöneberg und Carlsdorf

Tochter Zion, freue dich, siehe, dein König kommt zu dir. Das ist vertraute Musik, die nicht so recht passen will in die Zeit der Osterglocken.

Obwohl, das Thema passt schon. Schließlich wird an diesem Sonntag die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem erzählt: Auf einem Esel reitet er in die Stadt hinein und wird dort als König begrüßt. Es ist ein Begrüßungslied. Am Anfang der Adventszeit singen wir es, weil wir auf die Geburt Jesu warten. Jetzt, am Ende der Passionszeit, weil wir um das Leiden und die Vollendung, das Sterben Jesu am Kreuz wissen.

Das ist natürlich ein Unterschied, ob ich auf ein Kind warte, das geboren wird, oder auf den Tod eines Menschen. Es ist etwas anderes, ob ich im Krankenhaus die Neugeborenen begrüße, oder im Sterbezimmer bin, einen Menschen aus dieser Welt zu verabschieden.

In der biblischen Geschichte geht es zunächst nur darum, einen König zu begrüßen. In der Adventszeit aber ist dieser König ein Kind, das geboren wird. "Kinder an die Macht", hat Herbert Grönemeyer vor vielen Jahren einmal gesungen. Ein Kind als König, da habe ich als Untertan schon das Vertrauen, nicht übervorteilt und betrogen zu werden. Es spiegelt uns den Traum vom Frieden auf Erden, ein Kind an der Macht zu wissen.

Freue dich und sei fröhlich, denn siehe, dein König kommt und will bei dir wohnen! Gelobt sei, der da kommt. Es ist ein freudiges Fest in Jerusalem, eine Demonstration, eine Huldigung. Das ist unser König, ihn beten wir an! Hosianna, rufen sie ihm zu, ihre Gewänder ziehen sie aus und dann breiten sie damit einen Teppich vor ihm hin.

Die Passion beginnt. Denn jetzt, vor Ostern ist es nicht mehr das Kind, das wir begrüßen, es ist der König der vom Tod gezeichneten. Bald wird die Königswürde der reine Spott sein. Eine Krone aus Dornen werden seine Peiniger ihm auf das Haupt drücken. Das Zepter in seiner Hand wird ein vom Baum gerissener Rohrstock sein. Sie werden ihn damit schlagen. Und dann werden Sie vor ihm niederknien: Gegrüßet seist du - Judenkönig!

Ein König der Verspotteten wird er sein. Sie werden ihn anspucken, lächerlich machen, demütigen. Schließlich werden sie ihn an das Kreuz hängen: Jesus von Nazareth, König der Juden: INRI steht über seinem Haupt. Ein König der Leidtragenden, das ist aus unserer Hoffnung geworden. Und die, die Leid tragen, die voll Kummer sind, die werden sein Gefolge sein. Die Menschen in den Sterbezimmern, die Geschundenen und Gepeinigten, die vom Tode gezeichneten.

Er geht ihnen voran und öffnet die Tür zum ewigen Leben und sie folgen ihm nach, dem, der da kommt, im Namen des Herrn!

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