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Ein unmoralisches Angebot!

Gedanken zum Sonntag Okuli 2007

Pfarrer Norbert Mecke

Norbert Mecke
Pfarrer im Kirchspiel Holzhausen

Zu Grönemeyers "Stück vom Himmel"

"Religionen sind zu schonen, sie sind für Moral gemacht.", so Herbert Grönemeyer in seinem neuen Song: "Stück vom Himmel". Das leuchtet ein. Man denke an die Lebensregeln der Zehn Gebote, die Bergpredigt und das, was von religiösen Menschen erwartet wird: vorbildlicher Umgang mit anderen, Ehrfrucht vor dem Leben und Friedfertigkeit. Die Erde ist unsere Pflicht. Wir sollen teilen. Keine Feinde haben. Nicht rechthaberisch sein mit Glaubensansichten, schließlich habe kein Gott klüger gedacht.

So lauten nach Grönemeyer die wesentlichen Paragraphen des Moralcodex "Religion". Vor Glaubens- und Wahrheitsansprüchen seien die Religion und Gott dagegen zu schonen: volle Konzentration auf die Erde als "Stück vom Himmel" und "Platz von Gott"! Damit singt Grönemeyer Vielen aus der Seele. Und wer´s anders denkt und glaubt, steht im Lied schnell bei denen, die sich "blindwütig verrannt" haben.

Nun kann man sich in seinen Ansichten aber auch "gutmütig verrennen". Christlicher Glaube ist jedenfalls weder aus noch für Moral gemacht. Er geht im Gegenteil von einem völlig "unmoralischen Angebot" aus. Oder wie soll man das bezeichnen, wenn das Neue Testament die Mitte dieses Glaubens mit dem Satz auf den Punkt bringt: "Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren!" (Römer 5, 8).

Die Rettung von Sündern, nicht die Aufrichtung von Moral steht an Nummer eins. Das heißt aber: Religion ist von der Konzentration auf Moral zu schonen. Wenn´s auf die ankommt, sitzen wir - mit Grönemeyers Worten - tatsächlich alle in einem Boot: einem, das untergeht.

Das Wort "Religion" heißt "Zurückbinden": Gott wirft uns mit Jesus die Rettungsleine zu, um uns vor dem Untergang zu bewahren und uns an ihn zurückzubinden. Nicht Moral, sondern Liebe und Beziehung sind die Mitte von Religion. Zumindest von christlicher.

"Kein Gott hat klüger gedacht!", dichtet Grönemeyer. "Kein Gott hat tiefer und größer geliebt!", berichtet die Bibel und macht das zum Maßstab allen Redens über Gott.

"Es wird zu viel geglaubt, zu wenig erzählt.", textet Grönemeyer. Stimmt: Auch zuviel geglaubt, was Religion sei. Dazu trägt Grönemeyer nun auch selbst bei. Mehr erzählt werden muss von Gottes unmoralischem Angebot - seiner Rettungstat jenseits unserer Moral, trotz unserer Unmoral. Sie ist das entscheidende Stück vom Himmel.

Und wo bleibt die Moral von der Geschicht´? "Gott ist freundlich, warum wir eigentlich nicht!?"

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