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Alles im Griff?

Gedanken zum Sonntag Exaudi 2007

Pfrn. Marianne Biskamp-Dotzert

Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar

- Zum Leben nach Plan -

Erste Adrenalinstöße beim Weckerklingeln. Mit der Kaffeetasse in der Hand schnell noch einmal die Liste für den Tag durchgehen.

Dann auf und los mit Tempo: Die beruflichen Vorhaben umsetzen, auf Änderungen im Ablauf flexibel reagieren, eventuell entstehende Freiräume effektiv nutzen, kleinere Besorgungen zwischendurch erledigen, den Haushalt managen, die Termine der Familienangehörigen koordinieren, den einen oder anderen Fahrdienst übernehmen, vielleicht noch etwas für die Fitness tun, die Theatergruppe nicht enttäuschen, später wenigstens noch ein paar Telefonate führen...

Am Abend dann: total geschafft, aber viel erledigt!

Wer ein solches oder ähnliches Pensum absolviert hat, könnte sich zufrieden zurücklehnen, denn: Das überquellende Filofax signalisiert Aktivität und Wichtigkeit einer Person. Respekt, Respekt! Beim Einstellungsgespräch zeugt die Vorlage eines ausgefeilten Konzepts von Kompetenz und Kreativität. Gute Erfolgschancen für die Bewerber! Umfangreiche Reformpläne suggerieren Handlungsfähigkeit und Progressivität in Krisenzeiten. Mit Optimismus in die Zukunft! Immer wissen, was zu tun ist!?

Natürlich ist es sinnvoll, Perspektiven zu entwickeln, Ideen zu formulieren und sich Ziele zu setzen, den Haushalt nicht verwahrlosen zu lassen, aufmerksam und sorgfältig zu arbeiten. Die Frage aber ist, welche Bedeutung ich all diesem Planen und Handeln beimesse.

Indem ich mich auf mein Programm fixiere, besteht die Gefahr, dass es von mir Besitz ergreift und mich knechtet, weil es nun antreibt, das Soll zu erfüllen - immer mehr und immer besser. Und je stärker ich mich anstrenge und agiere, um so mehr verliere ich an eigener Lebendigkeit, an wirklichem Kontakt, nicht nur zu anderen, auch zu mir selbst - Ausdruck eines gehetzten und letztendlich fremdbestimmten Lebens.

Was bleibt, wenn wir am Ende unserer Zeit Bilanz ziehen: Worauf werden wir mit Freude zurückschauen, welche Glücksmomente werden wir erinnern, wo werden wir meinen, in die Irre gelaufen zu sein, versagt zu haben und schuldig geworden zu sein?

Vielleicht wird dann gerade das, wofür wir uns am meisten geplagt haben und gerannt sind, gar nicht mehr wichtig sein. Vielleicht treten ganz andere Fragen in den Vordergrund: Wer war ich als Sohn oder Tochter, als Ehemann, Schwester, Vater, Freundin? Wer war ich als Mensch?

Sich auf diese Fragen einzulassen könnte bedeuten, ein geöffnetes Leben zu führen: Sich mutig Zeit und Muße nehmen, präsent sein im Augenblick und wahrnehmen, was ist: Schönes und Leichtes erkennen und genießen, ohne an den nächsten Termin zu denken, aber auch das Belastende, Schwere, die Ratlosigkeit sehen und aushalten, ohne sie in kurzsichtigem Aktionismus zu ersticken. Die Gegensätze und Spannungen zu bejahen und zu vereinen, darin bestünde wohl "Die Kunst des geöffneten Lebens" (G. Heinz-Mohr).

Abschied also von bekannten Wegen, Aufbruch in eine neue, unabgesicherte, aber dem Grund des Seins vertrauende Existenz! In dieser Weise umzukehren ist sicher kein einfaches, aber lohnendes Unterfangen.

Denn "was hat der Mensch davon, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber zuletzt sein Leben verliert?" (Mt 16,26)

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