Metamorphosen
Gedanken zum letzten Sonntag nach Epiphanias 2007
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Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar
Goodbye Mama!
Mit leuchtenden Augen und dem Brustton der Überzeugung schmettert Regina den alten Schlager der versammelten Elternschaft entgegen. Schulabschluss Anfang der siebziger Jahre: Aufbruchstimmung. Frühlingserwachen. Auf Entdeckungsreise gehen. Hinaus in die weite Welt, hinein ins Abenteuer Leben.
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Ihre geheimnisvolle Verwandlung vollzog sich von einer Minute auf die andere, schrieb Fee Zschocke Ende der Achtziger in der Frauenzeitschrift Brigitte. Aus der Spezies "Frau", dem fröhlich unbeschwerten und vielseitig interessierten weiblichen Individuum sei kurzerhand die Gattung "das Mutti" geworden, sächlich/ geschlechtsneutral. Besondere Kennzeichen: bieder, belastbar, besorgt, ernsthaft, genügsam, nervös, 24 Stunden voll im Einsatz.
Natürlich sei frau nicht Mutti von Geburt an, zum Mutti werde sie gemacht. Jedenfalls bedeute diese Metamorphose einen irreversiblen Prozess: Einmal Mutti - immer Mutti!
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Inzwischen ist die Entpersönlichung offenbar fortgeschritten. "Das Mutti" hat expandiert und ist zum gerne frequentierten "Hotel Mama" geworden. Die Mutter als Dienstleistungsunternehmen mit größtmöglichem Service und Komfort.
Parallel dazu sind scheinbar auch die Kleinen mutiert. Mit Schrecken höre ich, wie viele Jugendliche und junge Erwachsenene - unabhängig von der wirtschaftlichen Lage - immer länger zu Hause leben und gar nicht mehr den Drang verspüren, aus dem elterlichen Schon- und Schutzraum zu treten, um auf eigenen Beinen zu stehen.
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Stattdessen satte Zufriedenheit - Freiheit und Selbständigkeit im abgesicherten Modus, mögliche Risiken und Irrtümer ausgeschlossen?
Wen wundert's da wirklich noch, dass manch eine Frau hier nicht mehr mitspielt, ihren Koffer packt, Mann und Kinder verlässt. Vielleicht hat sie in ihrer Mutterschaft noch nie den einzigen Lebenssinn gesehen. Vielleicht möchte sie endlich (wieder) wahrgenommen werden, als Mensch wahrgenommen mit ihren eigenen Bedürfnissen, Wünschen, Interessen.
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Alles hat seine Zeit, behüten und behütet werden, loslassen und bereit sein zu gehen. Darin liegen die Chancen einer gesunden Entwicklung für beide Seiten. Für Mütter und ihre Kinder.
Say goodbye and say hello!
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