Herzensangelegenheiten - Ein weit verbreitetes Leiden
Gedanken zum Sonntag Judika 2006
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Marianne Biskamp-Dotzert
Pfarrerin für Religionsunterricht an der Herwig-Blankertz-Schule, Hofgeismar
Diagnose: Herzinfarkt. Patient: Ein junger Unternehmensberater, ebenso ehrgeizig wie sensibel. Sein Zustand ist kritisch. Die Bemühungen der Intensivmediziner lässt er über sich ergehen. Lust zu reden aber hat er nicht. Fragen nach den Umständen seiner Erkrankung weicht er aus. Gegen den Rat des Kardiologen verlässt er nach wenigen Tagen die Klinik und kehrt zurück in sein Büro...
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Bemerkenswert, mit welcher Vehemenz manche Zeitgenossen immer noch die Möglichkeit psychosomatischer Zusammenhänge abwehren. Als wäre es ein Zeichen von Schwäche und käme einem menschlichen Makel gleich zuzugeben, dass dem körperlichen ein seelisches Leiden zugrunde liegt und der Heilung bedarf: Hilfe suchen beim Psychotherapeuten? "Ich bin doch nicht verrückt!" Oder zur Seelsorgerin? "Mit der Kirche habe ich doch nichts am Hut!"
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Dabei lohnt es sich, die eigene Biographie zu überdenken und nachzuforschen, was uns im Laufe der Jahre buchstäblich zu Herzen gegangen ist: Was macht uns das Herz schwer? Was hat unser Herz verzagen und matt, vielleicht sogar hart und kalt werden lassen?
Sind wir überhaupt noch in Kontakt mit unserem Herzen? Bilden Denken, Handeln und Fühlen noch einen harmonischen Dreiklang? Wie steht es um unsere "emotionale Intelligenz"? Sind wir fähig, unsere Gefühle zu erkennen und zu verstehen, angemessen zu beurteilen und vernünftig mit ihnen umzugehen?
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Herzensangelegenheiten sind Beziehungsangelegenheiten: Liebe ist ein biologisches Grundbedürfnis, erklärt die "Neue Medizin der Emotionen" (D. Servan-Schreiber) und bestätigt damit ein zentrales Anliegen auch der jüdisch-christlichen Tradition, die Hinwendung zum Nächsten.
Im Interesse unserer Gesundheit tun wir also gut daran, chronische Konflikte zu klären und an den Beziehungen zu arbeiten, die für uns wichtig sind. Je deutlicher wir spüren, dass wir einen Platz haben, der wenigstens für eine/n anderen zählt, umso leichter gelingt es, Stress zu bewältigen.
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Liebe ist das Lebenselixier für Leib und Seele. Wo ich mich liebevoll eingebunden fühle, in lebendigem Austausch und zugehörig zu einem größeren Ganzen, sei es eine menschliche Gemeinschaft oder auch die Gesamtheit der Schöpfung, da sprudelt eine Quelle von Glück und Sinn.
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